Aufklärung evangelische Brüdergemeinde Korntal

Detlev Zander vor dem Kinderheim Hoffmannhaus der Brüdergemeinde Korntal

 

Pressemitteilung

Seite 1von7

Aufklärung Missbrauchsskandal der evangelischen Brüdergemeinde Korntal

Detlev Zander kritisiert die Architektur der Aufklärung scharf, und fordert die Aufklärer zum Rücktritt auf.

Plattling / Korntal, den 21.10.2017 Detlev Zander, der den Missbrauchsskandal 2014 öffentlich gemacht hatte geht mit der evangelischen Brüdergemeinde Korntal und ihren Aufklärern hart ins Gericht. Er fordert die Aufklärer zum Rückritt auf.

Detlev Zander: Nach langer Überlegung habe ich mich entschlossen, mich um eine Anhörung bei der Aufklärerin Prof. Brigitte Baums-Stammberger bemüht. Mir gingst es bei diesem Gespräch nicht in erster Linie um meinen Missbrauch den ich im Kinderheim Hoffmanhaus, und in der evangelischen Brüdergemeinde Korntal erlebt habe. Ich wollte bei dieser Anhörung den weltlichen Vorsteher Klaus Andersen, und die Moderatoren Rohr, und Bautz dabei haben!

Dies jedoch lehnte Stammberger schriftlich ab! Den Wunsch einen Psychologen mit in meine Anhörung mit einzubinden, konnte Stammberger nicht abschließend berücksichtigen! Die Kostenfrage müsse sie erst mit Klaus Andersen klären!

Für die Anhörung habe ich mir bewusst Korntal ausgesucht, auch diesen Wunsch konnte und wollte mir Stammberger nicht erfüllen. Um ihre Unabhängigkeit zu bewahren , deshalb reise sie nicht nach Korntal, teilte mir Stammberger schriftlich mit. Zudem teilte sie mir mit, man wolle alle Opfer und Betroffene gleich behandeln, und die Opfer würden Korntal ablehnen. Denn ausdrücklichen Wunsch, von mir die Presse teilweise mit einzuladen lehnte Stammberger kategorisch ab. Mir ist es eben wichtig gewesen, dass die Anhörung Öffentlich ist! Die Angst, die Stammbergre in diesem Kontext befürchtete ich wäre dann nicht mehr anonym erscheint mir an den Haaren herbeigezogen. Stehe ich doch seit 2014 in der Öffentlichkeit.

Detlev Zander kritisiert die Aufklärung schon lange, sie sei nicht gut durchdacht, sie ist weder nachhaltig und findet nicht auf Augenhöhe statt! Wir aber mit den Opfern umgegangen wird, ist für Zander ein neuer ungeheuerlicher Vorgang. Wenn sich ein Betroffener entschlossen hat, zu so einer Anhörung zu gehen, die für jeden Betroffenen eine enorme Belastung darstellt, dann müssen die Bedürfnisse der Betroffene und die Rahmenbedingungen die der Betroffene fordert akzeptiert, und realisiert werden. Es ist ein nicht hinnehmbarer Zustand, wenn da alle Opfer gleich gestellt werden sollen wie es Stammberger fordert, und zur Bedingung macht. Werden die Rahmenbedingungen, die Stammberger fordert von den Opfern nicht akzeptiert, lehnt Statmmberger die Anhörung ab.

Wer sich so den Opfern präsentiert, sie dadurch erneut unter Druck setzt, den schließlich hat laut Stammberger nur ein Opfer Anspruch auf eine Entschädigung, wenn er an einer Anhörung bei Stammberger teilgenommen hat, der hat die Kompetenz.. Sich den Opfern zu repräsentieren man

habe viele Jahre als Richterin Erfahrung, ist gelinde gesagt ein erneuter Faustschlag ins Gesicht der Opfer.

Klaus Andersen, der weltliche Vorsteher der evangelischen Brüdergemeinde Korntal schaut diesem Treiben kommentarlos zu, und greift nicht ein.

Wir vermuten hinter diesem Verhalten eine ganz bestimmte Strategie, nämlich Detlev Zander bewusst aus der Aufklärung aus zu schließen, wie es schon in der Vergangenheit der Fall war.

Detlev Zander: Ich habe den Eindruck, dass die Verantwortlichen der evangelischen Brüdergemeinde Korntal berechtigte Angst hat, wenn ich in der Auftraggebergruppe mit arbeite, und nach meinen Bedienungen in die Anhörung gehe. Denn dann würde wirklich alles auf den Tisch kommen, und die evangelische Brüdergemeinde Korntal könnte ihr gestecktes Ziel, nämlich 2018 zu einem Abschluss zu kommen niemals erreichen. In der Öffentlichkeit wir immer der Missbrauchsskandal kommuniziert, der bis in die 1980 Jahre aufgeklärt werden soll. Was ist mit den Opfern die auch ach 1980 unvorstellbares Leid erlebt haben, was ist mit ihrem Leid, wann soll ihr Leid anerkannt werden? Zudem geht es in dem gesamten Skandal der evangelischen Brüdergemeinde nicht ausschließlich, um Vergewaltigungen, sexualisierte Gewalt an Kindern, sondern dieser Skandal ist vielschichtiger, den man eben nicht mal schnell in einem Jahr abhandeln kann!

Es bleibt dabei wir fordern einen Neuanfang mit einem professionellem Team, dazu gehört, dass das gesamte jetzige Aufklärungsteam öffentlich zurücktritt. Weiter fordern wir, dass die Aufklärung nicht mehr unter der alleinige Verantwortung der evangelischen Brüdergemeinde Korntal steht!

In Korntal muss eine Konzeption erarbeitet werden, wie es bei den Regensburger Domspatzen er arbeitet wurde, und erfolgreich zum Abschluss gebracht worden ist!

Alles andere lässt den Zweifel , und die Vermutung zu, dass es der evangelischen Brüdergemeinde Korntal nicht um ein ehrliche auf Augenhöhe und wahrhaftige Aufklärung geht!

 

 

Kindesmissbrauch: Missbrauchsbeauftragter fordert Bundesregierung zum Handeln auf

Kindesmissbrauch:Missbrauchsbeauftragter fordert Bundesregierung zum Handeln

auf

Nach aktuellen Studien hat jedes siebte Kind sexuelle Gewalt erlebt. Die neue Koalition müsse aktiver dagegen vorgehen, verlangt der Missbrauchsbeauftragte Rörig.
Kindesmissbrauch: Ein Kinderspielplatz in Hamburg, von dem ein Kind entführt und später sexuell missbraucht wurde
Ein Kinderspielplatz in Hamburg, von dem ein Kind entführt und später sexuell missbraucht wurde ©Pauline Willrodt/dpa

Angesichts der aktuellen Sexismusdebatte hat der Missbrauchsbeauftragte Johannes-Wilhelm Rörig die künftige Bundesregierung aufgefordert, “ein neues Kapitel im Kampf gegen sexuelle Gewalt aufzuschlagen”. Die überwältigende Resonanz auf die Debatte unter dem Schlagwort #MeToo (“Ich auch”) zeige, wie groß das weltweite Ausmaß sexueller Gewalt gegen Frauen, Kinder und Jugendliche sei, sagte Rörig den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

“Die Debatte zu sexueller Gewalt kann gar nicht laut genug geführt werden”, sagte der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs. Auch in Deutschland würden längst nicht alle Fälle der Polizei gemeldet. Neueste Studien gingen davon aus, dass etwa jede und jeder Siebte in Deutschland sexuelle Gewalt in Kindheit und Jugend erlitten habe. “Dies ist nicht länger hinnehmbar”, sagte Rörig.

Weltweit haben sich Millionen Frauen der Internetaktion gegen Sexismus unter dem Schlagwort #MeToo angeschlossen. Sie berichten auch von sexuellen Übergriffen und Vergewaltigungen im Kindesalter. Die Internetkampagne wurde durch den Skandal um den unter Vergewaltigungs- und Missbrauchsverdacht stehenden US-Filmproduzenten Harvey Weinstein ins Rollen gebracht.

Brüdergemeinde Korntal Missbrauch

Ein Kommentar von Detlev Zander

Detlev Zander Quelle dpa

Die Vergabekommision ist nun besetz, die Höhe der Entschädigungen liegen öffentlich auf dem Tisch. Es soll 5.000 bis 20.000 € ausbezahlt werden. Die höhere Summe soll Opfern zu gesprochen werden, die schwerste sexualisierte Gewalt in den Heimen der Brüdergemeinde Korntal erlebt haben.

Gibt es leichten und schweren sexuellen Missbrauch in den Augen jener Opfer die missbraucht worden sind? Eine Vergewaltigung kann für ein Opfer in seinen Augen genau so schwer und schlimm sein, wie für ein Opfer das jahrelang missbraucht worden ist!

Wer entscheidet dass? Personen die anonym bleiben möchten? Weil Sie nicht angefeindet werden wollen? Jedes Opfer hat das Recht zu erfahren, wer über sein Schicksal entscheidet.

Wir haben daher immer gefordert, das es Einzefallentscheidungen geben muss. Jedes Opfer, wenn es auch eine erneute große Belastung ist, muss vor die Vergabekommision, und sein Leid erneut vortragen.

Nun die hohe Entschädigung liegt nun auf dem Tisch, nachdem schon viele Gespräche geführt worden sind. Nun könnte man den vermeintlichen Opfern, die noch keine Anhörung hatten unterstellen, dass sie ihre Geschichten so darstellen, dass Sie an die hohe Entschädigung kommen. Die anderen haben diesen Wissensvorsprung nicht. 
Ich kann davor nur warnen.

Was machen wir mit den Opfern vom Flattichhaus, den Fakt ist, da gibt es so gut wie keine Akten! Wer entscheidet darüber, wer wie hoch entschädigt werden soll! Fragen über Fragen, die öffentlich beantwortet werden sollen!

Dieses Konstuckt dass wir ablehnen, öffnet vermeintlichen Opfern die Tür, schnell und unbürokratisch an viel Geld zu gelangen! Klaus Andersen der Vorsteher der Brüdergemeinde Korntal ist Bänker, ihm müssten eigentlich die Haare zu Berge stehen, und jeder der nur annähernd sich mit diesem Thema beschäftigt, der ist verpflichtet darauf aufmerksam zu machen, und diese Entscheidung Herrn Andersn um die Ohren hauen!

Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, dass die Aufklärung, und ihre handelten Personen nicht profesionell arbeiten. Denn sonst würden sich solche kapitalen Fehler niemals einschleichen!
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Detlev Zander Betroffener im Missbrauchskandal der Brüdergemeinde Korntal
Sprecher Verein Netzwerk BetroffenenForum e.V.
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Info
www.netzwerkbetroffenenforum.de

Abschlussbericht soll im kommenden Jahr vorliegen

Missbrauchsskandal

Abschlussbericht soll im kommenden Jahr vorliegen

Von  

Die Brüdergemeinde einigt sich mit Betroffenen über die Höhe der Entschädigungszahlungen. Die Summen lehnen sich an die Aufarbeitung bei den Regensburger Domspatzen an.

Blick in ein unrühmliches Kapitel der Geschichte der Brüdergemeinde Foto: dpa
Blick in ein unrühmliches Kapitel der Geschichte der BrüdergemeindeFoto: dpa

Korntal-Münchingen – Die evangelische Brüdergemeinde will den ehemaligen Korntaler Heimzöglingen, die Leid in den Einrichtungen der Brüdergemeinde erfuhren, mit Beträgen von 5000 Euro bis 20 000 Euro entschädigen. Das geht aus einer Mitteilung der Moderatoren hervor, die die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals begleiten. Auf Druck der Betroffenen arbeitet die evangelische Brüdergemeinde derzeit die Geschehnisse in ihren Einrichtungen von Ende der 40er Jahre bis in die 70er Jahre auf. Vertreter von Opfern, deren Unterstützern und der Brüdergemeinde haben über die Höhe der Leistung in der gemeinsamen Auftraggebergruppe entschieden.

Kommission besetzt

Als die Vorfälle in den Kinderheimen bekannt wurden, hatte die Gemeinde 2014 zunächst eine Summe von bis zu 5000 Euro geboten. Die Betroffenen waren darob verärgert, doch im Streit der Opfer untereinander rückte die Diskussion über die Anerkennungsleistung zunächst in den Hintergrund. Nun aber zeigt sich Wolfgang Schulz, Betroffener und Mitglied der Auftraggebergruppe, „zufrieden“. Auch wenn er betont, dass dies doch „mehr durch Betteln“ erreicht worden sei.

Inzwischen ist eine Kommission besetzt worden, welche die Vergabe regelt. Sie wird die Fälle bewerten, die von der Kommissionsvorsitzenden Brigitte Baums-Stammberger vorgelegt werden. Die Juristin führt derzeit die Gespräche mit Betroffenen. Der Mitteilung zufolge sind 65 bereits protokolliert, 20 weitere stünden noch aus. Der Wissenschaftler Benno Hafeneger wertet derweil Aktenbestände aus. Beider Berichte werden im kommenden Jahr vorliegen.

Mitglieder sind anonym

Die Vergabekommission ist mit vier Personen besetzt; neben Baums-Stammberger sind dies Vertreter aus den Bereichen Pädagogik, Psychotherapie und Soziale Arbeit. Bei einem Patt hat Baums-Stammberger offenbar eine Doppelstimme. Dies kritisiert Alexander Probst. Er hat den Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen publik gemacht und verfolgt die Korntaler Aufarbeitung. „Doppelstimmen sind Lug und Trug“, sagt er. Die Regensburger Kommission sei mit drei Personen besetzt, die Mitglieder seien öffentlich bekannt, die Entscheidungen einstimmig zu treffen.

Die Korntaler Kommissionsmitglieder wollen laut den Moderatoren anonym blieben. „Um ihre Unabhängigkeit im Vergabeausschuss zu gewährleisten, wünschen sich die Berufenen keine Namensnennungen in der Öffentlichkeit“, heißt es in der Mitteilung. Die Moderatoren waren noch nicht zu einer Stellungnahme bereit. Schulz selbst begrüßt die Entscheidung. Nur so sei gewährleistet, dass sie unangreifbar blieben, sagt er. Die Regensburger Kommission wurde laut Probst für ihre Entscheidungen bisher nicht angegangen.

Aufarbeitung Missbrauchsskandal

Ungenügend

Von  

Die Korntaler nähern sich den Regensburgern an. Das reicht aber noch nicht.

Die Betroffenen haben sich auf die Höhe der Anerkennungsleistungen geeinigt. Foto: factum/Weise
Die Betroffenen haben sich auf die Höhe der Anerkennungsleistungen geeinigt.Foto: factum/Weise

Korntal-Münchingen – Die Betroffenen haben gut daran getan, sich von der Brüdergemeinde nicht pauschal mit 5000 Euro abspeisen zu lassen. Diese Summe war angesichts der im Raum stehenden Missbrauchsvorwürfe ohnehin ein erbärmliches Angebot. Nun orientieren sich die Korntaler also an den Regensburger Domspatzen, deren Vorgehen bundesweit als wegweisend gilt für die Aufarbeitung in staatlichen und kirchlichen Einrichtungen. Richtig so!

Vergabeverfahren in der Kritik

Nicht die Höhe der Zahlung ist deshalb kritikwürdig, wohl aber das Vergabeverfahren. Die Kommission, die jeden Fall separat bewertet, bleibt nämlich anonym. Das ist falsch. Der gute Wille, sich für die Betroffenen stark zu machen, sei dem Gremium unterstellt. Doch das wird schnell vergessen, sollten die Betroffenen dessen Votum hinterfragen wollen. Das wird nicht möglich sein, da sie lediglich die Gremiumsvorsitzende kennen. Eine Aufarbeitung auf Augenhöhe sieht anders aus. Mit der Entscheidung für die Anonymität schadet sich die Kommission selbst. Vor allem aber nährt sie Zweifel an einer wahrhaftigen Aufarbeitung.

Missbrauchsskandal bei der Brüdergemeinde Korntal Wohltäter gerät unter Verdacht

Missbrauchsskandal bei der Brüdergemeinde Korntal 

Wohltäter gerät unter Verdacht

Von  

Er hat mit seinem Erbe nicht unwesentlich zum Bau des Gemeindezentrums der evangelischen Brüdergemeinde beigetragen. Nun gerät dieser Spender in den Verdacht, sich an Kindern vergangen zu haben.

Das Gemeindezentrum der Brüdergemeinde ist ein zentrales Gebäude am Saalplatz. Foto: factum/Archiv
Das Gemeindezentrum der Brüdergemeinde ist ein zentrales Gebäude am Saalplatz.Foto: factum/Archiv

Korntal-Münchingen – Wenn es einen Vorfall gibt, der die ehemaligen Zöglinge in den Einrichtungen der evangelischen Brüdergemeinde heute noch schaudern lässt, dann ist es die Geschichte eines Jungen. Dieser soll sich das Leben genommen haben, weil er das Erlebte – Vergewaltigungen durch Mitarbeiter der Gemeinde – nicht ertragen hat. Noch unterträglicher wurde der Vorfall aus Sicht der ehemaligen Heimkinder der Brüdergemeinde aber durch die Tatsache, dass ausgerechnet einer der mutmaßlichen Peiniger – der Hausmeister – später das Grab für den Jungen ausgehoben hat. Der Junge ist nur 18 Jahre alt geworden.

 

Die Vorwürfe basieren auf einer eidesstattlichen Erklärung von Detlev Zander, der 2014 die Fälle von Gewalt in den Einrichtungen der Brüdergemeinde publik gemacht hat. Demnach sei der Junge, der sich später das Leben nahm, im Alter von neun oder zehn Jahren von mehreren Männern vergewaltigt worden. Einer der Peiniger soll Jakob Munz gewesen sein. Munz hat der Brüdergemeinde offenbar 1,2 Millionen Euro vermacht. Deren 6,7 Millionen Euro teures Gemeindezentrum wurde im Juli des Jahres 2010 eingeweiht.

Eindrückliche Schilderung des Mannes

Munz war laut Zander dafür verantwortlich, dass die Sonntagspredigten im Gottesdienst auf Tonband aufgenommen wurden, sodass die Bewohnerinnen des Witwenheims die Predigten nachhören konnten. Munz soll den Jungen, so erzählt es Zander, nach dem Sonntagsgottesdienst zu sich nach Hause genommen haben, wo der Mann dann übergriffig geworden sie. Zander sagt, auch er selbst sei ein Opfer von Munz geworden. Manchmal seien Munz und der Hausmeister gemeinsam als Täter in Erscheinung getreten. „Munz war ein auffälliger Mann, sein Erscheinungsbild war ungepflegt“, sagt Zander. „Er trug abgetragene stinkende Anzüge und Hemden, die am unterem Rand stark verdreckt waren. Er hielt seine Schuhe mit zerfetzter Paketschnur zusammen.“ Nach dem Gottesdienst habe er sich in sein Auto setzen müssen, ehe er dann in dessen Wohnung gefahren sei. „Ich ging fast weinend mit. Jakob Munz fasste mich mit seiner großen rauen Hand an und zog mich mit.“

Zinsloses Darlehen der Gemeinde

Dass mit dem Erbe eines mutmaßlichen Täters das Gemeindezentrum finanziert worden ist, war in der Öffentlichkeit bisher nicht bekannt. Stadtverwaltung und Gemeinderat arbeiteten eng mit der Brüdergemeinde zusammen, als über den Bau des Gemeindezentrums und die Gestaltung des davor liegenden Platzes diskutiert wurde. Ermöglicht hatte die Umgestaltung des Platzes übrigens ein zinsloses Darlehen der Korntaler Güterkaufgesellschaft und der Brüdergemeinde in Höhe von 900 000 Euro – das sind mehr als zwei Drittel der Gesamtkosten.

„Eine Zerreißprobe für die Gemeinde“ Missbrauchsskandal in der Brüdergemeinde Korntal

INTERVIEW Missbrauchsskandal in der Brüdergemeinde Korntal

„Eine Zerreißprobe für die Gemeinde“

Von  

Lange haben sich die Pietisten zurückgehalten. Der weltliche Vorsteher der Brüdergemeinde, Klaus Andersen, äußerst sich nun erstmals ausführlich zu den Missbrauchsvorwürfen in den Heimen der evangelischen Institution, die seit dem Jahr 2014 von ehemaligen Zöglingen erhoben werden.

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Klaus Andersen
Klaus Andersen sieht die Gemeinde intensiv beteiligt. Foto: factum/Weise

Korntal-Münchingen – Die Aufklärung des Missbrauchsskandals läuft. Die evangelische Brüdergemeinde ist zufrieden, obwohl Detlev Zander, der die Missbrauchsvorfälle publik gemacht hatte, und andere Betroffene nicht beteiligt sind.

Hätten Sie sich im Aufarbeitungsprozess ein klares Wort der Landeskirche gewünscht?
Der Landesbischof Frank Otfried July hat Ende 2014 die Erwartung formuliert, dass wir aufarbeiten. Mehr braucht es von einem Landesbischof nicht.
Er betonte aber den Sonderstatus der Gemeinde. Fühlen Sie sich nicht alleingelassen?
Nein, der Landesbischof hat uns gegenüber keine originäre Verantwortung. Dennoch: wenn er in der Verbundenheit der gemeinsamen evangelischen Kirchenarbeit als Landesbischof die Erwartung formuliert, dass vorbehaltlos aufgearbeitet wird, ist das gut so. Umgekehrt entnehme ich dem aber auch, dass er sagt ‚Übernehmt Ihr die Verantwortung.’ Er hat mit Sicherheit erkannt, dass wir die Verantwortung auch übernommen haben und dazu stehen.

Korntal – ein Einzelfall?

Der Landeskirche gelingt es mit dieser Haltung, Korntal als Einzelfall darzustellen.
Ob wir als Brüdergemeinde Korntal deutschlandweit zu den zehn Aufarbeitungsprozessen gehören, die intensiv dran sind, hat zunächst nichts mit dem Landesbischof zu tun. Wir sind verantwortlich für unser Diakonisches Werk. Deshalb klären wir unsere Missbrauchsvorwürfe auf.
Es gibt mehr Bezugspunkte zwischen der Brüdergemeinde und der Landeskirche, als dass die Diakonie der Gemeinde dem Diakonischen Werk Württemberg angehört.
Wir sind als Brüdergemeinde eine freie evangelische Gemeinde . . .
. . . aber Sie sind eine evangelische Gemeinde und alles, was passiert ist, ist im Namen des Protestantismus passiert.
Wenn Sie das nur dem Protestantismus zuordnen . . .
. . . nicht nur, aber deshalb müssen sich andere Protestanten auch angesprochen fühlen.
Deshalb finde ich es wichtig, dass sich der Landesbischof geäußert hat mit der Erwartung, dass wir eine Aufklärung machen.
Weitere Konsequenzen hat er nicht gezogen.
Er kann keine weiteren Konsequenzen ziehen, weil er als Landesbischof nicht Vorgesetzter der Brüdergemeinde ist. Die vertragliche Verbindung stammt noch aus dem Privileg des Königs Wilhelm I. von Württemberg.
Sie ziehen sich auf die vertragliche Konstruktion zurück. Aber im Zentrum stehen Vorwürfe, die mit religiöser Gewalt zu tun haben. Insofern kann sich die Landeskirche nicht einfach zurückziehen.
Was die Landeskirche und ihr Diakonisches Werk im Bereich Aufarbeitung zu tun haben, ist die Verantwortung des Landesbischofs.
Bleiben wir in Korntal. Wie viele Gespräche mit Betroffenen sind geführt?
Wir sind nicht detailliert informiert, es wird unabhängig aufgearbeitet. Nach den letzten Informationen waren es mehr als 40.
Wie viele sind geplant?
Derzeit sind circa 80 Gespräche geplant.
Gibt es Hinweise auf organisierte Gewalt?
Ich habe die Erwartung, dass dies über die Aufklärung rauskommt. Das müssen wir als Einrichtung genauso abwarten wie die Öffentlichkeit.
Im TV-Politmagazin Report Mainz hatten Sie sich aber doch recht deutlich geäußert.
Der Bericht von Report Mainz ist ein deutliches Indiz dafür, wie unabhängig aufgearbeitet wird. Ich sprach von Einzelfällen, Herr Hafeneger davon, dass es nicht nur Einzelfälle seien. Daran wird deutlich, dass wir nicht vor allen anderen Detailinformationen haben als die Auftraggebergruppe.

Wie weit ist die Brüdergemeinde informiert?

Sie sitzen in der Auftraggebergruppe. Also ist die Brüdergemeinde ja doch informiert.
Sehr abstrakt. Im Rahmen von: Wo stehen wir, wie viele Gespräche gab es.
Sind Sie zufrieden mit dem Verlauf?
Was das letzte halbe Jahr an Fortschritten gezeigt hat, bin ich sehr dankbar, dass so viel gelungen ist.
2018 soll das Projekt abgeschlossen sein. Das ist ein ambitionierter Zeitplan.
Wir haben die Chance, dass 2018 ein dokumentierter Abschluss vorliegt. Aber das ist keine Vorgabe. Uns ist viel wichtiger, dass wir möglichst alle Beteiligten und Anspruchsgruppen mitnehmen, sodass der Abschluss angenommen werden kann.
Wie könnte der Abschluss aussehen?
Wir haben gelernt, dass es darauf ankommt, dass eine Entschuldigung konkret ist, mit dem Wissen, was passiert ist.
Daneben gibt es ausschließlich einen finanziellen Abschluss?
Eine freiwillige Anerkennungsleistung ist das eine, wir haben verstanden, dass mit Geld nicht zu bezahlen sein wird, was die Betroffenen an Leid erfahren haben.

Geprüft wird, was erzählt wird

Sie betonen stets, in der Aufarbeitung komme alles auf den Tisch. Es kann nur auf den Tisch kommen, was erzählt wird. Ist es daher richtig, Detlev Zander nicht zu beteiligen?
Wir haben erlebt, wie sich die Moderatoren in einem direkten Kontakt zu Zander um ihn bemüht haben. Trotz alledem war Herr Zander der Meinung, dass er so nicht mitarbeiten kann und will. Wir wissen nicht, wie viele Betroffene sich zudem außerhalb der Gruppe von Herrn Zander nicht beteiligen. Ich kann es durchaus verstehen, wenn Betroffene sagen, sie retraumatisiere dies.
In der Auftraggebergruppe sitzen Kritiker von Zander und der Brüdergemeinde. Von ihnen hört man nichts mehr. Ist es das, was die Gemeinde wollte, ihre Kritiker einzubinden?
Wir wollen, bei aller unterschiedlichen Positionierung und Sichtweise auf den Aufarbeitungsprozess, erreichen, dass Menschen zu Wort kommen. Mit den unterschiedlichen Gruppen gemeinsam zum Ergebnis zu kommen, das ist unser Ziel.
Nun bestimmen jene den Prozess, die nicht maßgeblich betroffen sind.
Das sehe ich anders. Es war Konsens in der Auftraggebergruppe, dass die Betroffenen-gruppen Unterstützer mitbringen können. Wir haben Betroffene in der Auftraggebergruppe – da möchte ich keine Wertung abgeben, es sind Betroffene und ehemalige Heimkinder –, die nichts anderes im Blick haben, als dass der Aufarbeitungsprozess nach vorne kommt.
Sie sprechen die Gefahr der Retraumatisierung an. Wer bei der Aufarbeitungskommission in Berlin aussagt, bekommt bei Bedarf sofort psychologische Hilfe.
Wir bieten das genauso an, vorbehaltlos, wenn die Situation dies erfordert.
Sie gehen davon aus, dass es nicht in jedem Fall erforderlich ist. Vor Gericht ist bei einer Befragung, die das Intimleben berührt, eine Betreuung vorgesehen. Auch hier ist es eine richterliche Befragung, der sich die Betroffenen aussetzen müssen.
Das müssen sie nicht, die Befragung beruht auf Freiwilligkeit. Es ist keine richterliche Befragung und auch keine Vorladung.
Aber man kann nur zu diesen, von der Gemeinde bestimmten Bedingungen zusagen.
Ich kann nur sagen, dass ermöglicht wird, was gewollt ist. Der Aufarbeitungsprozess soll jenen, die zu Wort kommen wollen, eine Stimme geben. Wir können nur alles tun, diese Freiwilligkeit zu unterstützen.
Sie betonen, alles, was Betroffene erzählen, würde untersucht. Was aber geschieht mit Vorwürfen, die im Raum stehen, aber nicht durch Betroffene transportiert werden?
Können Sie das konkretisieren?
Jakob Munz soll Mittäter sein, sein Erbe ermöglichte den Bau des Gemeindezentrums.
Ich habe das Vertrauen in die Aufklärerin, dass auch dies im Abschlussbericht steht. Und wenn Herr Hafeneger zu dem Ergebnis kommt, werden wir dies ebenfalls über den Bericht erfahren. Das gilt auch für Pfarrer Grünzweig. Wir verlassen uns darauf, dass sich die Betroffenen zu Wort melden. Wenn sich die Vorwürfe bestätigen, werden wir uns als Brüdergemeindewerk überlegen müssen, wie wir damit umgehen.
Sie nehmen also nur auf, was Betroffene erzählen. Wie wollen Sie aber einen Abschluss erreichen, wenn die Vorwürfe in der öffentlichen Meinung vorhanden bleiben und nie dazu Stellung genommen wird? Geben Sie Informationen weiter, von denen Sie erfahren?
Wenn es mir zugetragen würde, geben wir das an die Aufklärer weiter.
Geben Sie weiter, was wir Ihnen sagen?
Wenn Sie mir sagen, das von Betroffenen gehört zu haben, und mir ist es als weltlicher Vorsteher und Vorsitzender der Aufarbeitungskommission und Mitglied der Auftraggebergruppe Hinweis genug, es weiterzugeben, gebe ich es weiter. Und ich sage Ihnen: Mir ist das Hinweis genug.
Wie wird in der Gemeinde darüber geredet?
In einer ersten Phase ist es für manche unvorstellbar, weil Informationen fehlen. In der zweiten Phase geht es darum, wie wir mit Informationen umgehen. Wir haben viele persönliche Gespräche geführt. Insofern ist die Gemeinde intensiv beteiligt.
Manche bleiben in der ersten Phase stecken.
Sie müssen sich vorstellen, wenn das in ihrer eigenen Familie passierte; wie unvorstellbar das wäre, weil man Personen über Jahre gekannt und erlebt hat.
Wird die Aufarbeitung im Gottesdienst thematisiert?
Ja und es gibt Gebetskreise für eine gute Aufarbeitung, für die Betroffenen, und dass wir weiter mutig das Ziel der Aufarbeitung verfolgen. Wir haben eine Vortragsreihe. Wir machen Informationsveranstaltungen nach dem Gottesdienst, an denen 150 Menschen und mehr teilnehmen. Es hat viele Gemeindeglieder betroffen gemacht.
Werden Sie selbst denn angefeindet?
Ich bin nicht allein, wir haben Gremien, die dahinter stehen. Aber Anfeindungen kann ich so nicht bestätigen.

Eine schwierige Situation für die Gemeinde

Spaltet das Thema die Gemeinde?
Nein. Dass es eine Zerreißprobe ist für eine Gemeinde, ist nachvollziehbar. Unabhängig davon erleben wir, dass wir als Gemeinde zusammenstehen.
2019 besteht die Gemeinde 200 Jahre. Feiern Sie wie geplant?
Wir feiern, wie wir es jetzt planen. Wir werden feiern – nicht uns als Gemeinde. Aber für das, was wir über die 200 Jahre in der Gemeinde und im Brüdergemeindewerk erfahren haben, sind wir Gott von Herzen dankbar. Deshalb feiern wir als evangelische Christen, was Gott uns geschenkt hat.
Und wenn die Aufarbeitung nicht abgeschlossen ist, feiern Sie dennoch?
Wir feiern im geplanten Maße. Dieser Aufarbeitungsprozess dient dazu, demütig zu lernen, dass Menschen Fehler machen und dazu zu stehen. Deshalb passt es in ein Jubiläumsjahr rein. Wir stehen dazu, auch das ist ein Teil unserer Geschichte.
Für was steht die Brüdergemeinde?
Wir stehen zu dem, was wir in der Bibel lesen, was Kirche und Gemeinde ausmacht. Es wird innen erlebt, was draußen draufsteht. Wir stehen dazu, dass wir mit unseren diakonischen Einrichtungen sehr breit aufgestellt sind in der Unterstützung von Menschen. Insofern haben wir als evangelische Brüdergemeinde einen Auftrag nicht nur als Kirche, sondern auch, in die Gesellschaft hineinzuwirken und Menschen einzuladen, an Jesus Christus zu glauben.
Schaffen sie mit diesen Inhalten nochmals 200 Jahre?
Da bin ich als Christ sehr gelassen. Das überlassen wir Gott.

Die Brüdergemeinde ist mit massiven Vorwürfen konfrontiert

Gemeinde 
Die pietistische Brüdergemeinde hat 1500 Gemeindeglieder. Die freie evangelische Gemeinde hat mit Pfarrer Jochen Hägele einen geistlichen und dem Banker Klaus Andersen einen weltlichen Vorsteher. Der 59-Jährige hat das Amt seit 2011 inne.

Missbrauchsskandal 
Das ehemalige Heimkind Detlev Zander machte im Mai 2014 die Fälle von Gewalt in den Heimen der Brüdergemeinde publik. Er sprach von sexuellem Missbrauch. In der Folge meldeten sich weitere Opfer mit weiteren Vorwürfen.

Aufarbeitung 
Zwei Anläufe, das Geschehen in den Einrichtungen zwischen 1950 und 1970 aufzuarbeiten, scheiterten. Seit März dieses Jahres ist ein Aufklärer-Duo tätig, die Juristin Brigitte Baums-Stammberger und der Jugendforscher Benno Hafeneger.

Missbrauchskandal der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal Wenn der Schmerz nicht aufhört .Verletzungen der Kindheit bewältigen

Evangelische Brüdergemeinde Korntal

Evangelische Brüdergemeinde Korntal und ihre eigene christliche Aufklärung Quelle: Korntaler Amtsblatt

Wenn der Schmerz nicht aufhört  Verletzungen der Kindheit bewältigen      

 

Unter diesem Moto lädt die Evangelische Brüdergemeinde Korntal im Rahmen ihrer eigenen Aufklärung ein. Es wundert uns nicht, dass wiedereinmal  eine Persönlichkeit aus dem christlichem, evangelikalem  Kontext gefunden worden ist. Die Evangelische Brüdergemeinde Korntal  kann es einfach nicht lassen, ihre Opfer vor den Kopf zu stoßen. Ihr egoistisches, und über christliches Verhalten ist für uns unerträglich,und  inakzeptabel. Sexueller Missbrauch, Schläge, Freiheitsentzug, Erbrochenes essen, Sadismus widersprechen den höhen Ansprüchen dieser evangelikalen Brüdergemeine Korntal. Wer als Christ so handelt, ist ein Heuchler. Dies hat mit Nächstenliebe nichts mehr zu tun.

Wer jetzt mit einer christlichen, evangelikalen Vortragsreihe daher kommt, wie es die Evangelische Brüdergemeinde Kontal tut, der nimmt die Opfer nicht ernst. und hat bis heute nicht begriffen, in welcher Lage sich die Evangelikale  Brüdergemeinde Korntal eigentlich befindet.  Nach außen hat die Brüdergemeinde Korntal die Opferrollle längst eingenommen.

 Prof. Dr. Ulrich Giesekus  soll es nun im Auftrag der Evangelischen Brüdergemeinde richten. Die Öffentlichkeit zu beruhigen. Nach dem Motto schaut her, Die Evangelische Brüdergemeinde Korntal tut was.

Quelle : Prof. Dr. Ulrich Giesekus

Klaus Andersen, Vorsteher der Brüdergemeinde Korntal schreibt in seiner Einladung, “wir wollen soweit wie möglich transparent mit unserem Thema umgehen”  Wir werfen Herrn Andersen vor, dass er eben nicht offen, und transparent mit der sexualisierten Gewalt in seiner Gemeinde umgeht. Wie die die Verantwortlichen der Brüdergemeinde Korntal  zum Teil mit ihren Betroffenen umgeht ist eine Schande für ganz Deutschland.

Wir fordern Herrn Andersen auf, lassen Sie endlich Betroffene auch in Ihrer Gemeinde zu Wort kommen. Es ist eine Schande, und für uns nicht akzeptabel, wenn die Brüdergemeinde Korntal in ihren Heimen schwerst traumatisierte Kinder, und Jugendliche betreut, sich aber nicht zu helfen weis, wie Verletzungen in der Kindheit zu bewältigen sind.

Schlaue  evangelikalen  Vorträge von Professoren bringen uns in dieser Causa nicht weiter.  Wir Betroffene, die ihre Traumata bewältigt haben, und gelernt haben heute damit zu leben, wir haben die besten Expertisieren.  Die Evangelische Brüdergemeinde Korntal tut gut daran, sich endlich ihrer Verantwortung zu stellen.  Therapien kosten sehr viel Geld, es  die verdammte Pflicht der Brüdergemeinde Korntal die Kosten für ihre ehemaligen Heimkinder zu übernehmen.  Und dies ist keine freiwillige Anerkennungsleistung, wie es die Evangelische Brüdergemeinde Korntal immer wieder gerne der Öffentlichkeit, und den Opfern verkaufen mag.

Detlev Zander  Betroffener von schwerer sexualisierter Gewalt in der Evangelischen Brürdergemeinde Korntal

Detlev Zander vor dem Kinderheim Hoffmannhaus der Brüdergemeinde Korntal Quelle Stuttgarter Zeitung

 

 

 

Verschwiegenes Problem: Wie Kindesmissbrauch in Moscheen tabuisiert wird

Kindesmissbrauch in Moscheen

FAKT | 10.10.2017  Kindesmissbrauch in Moscheen

Es ist bislang ein verschwiegenes Problem – doch es ist ein relevantes Problem. Das Tabu wird nur ganz zögerlich gebrochen.

Kinder sitzen auf Teppichboden und umringen eine stehende Person
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Sechsjährige hat der Mutter erst Stunden später erzählt, was ihm angetan wurde. Er berichtete es ihr auch nur, weil seine Verletzungen nicht zu verbergen waren. Der Koranlehrer hatte dem Jungen gedroht, ihn und seine ganze Familie umzubringen, wenn er darüber redet.

“Er sagte: Der Koranlehrer hat mich auf die Toilette mitgenommen, weil er dort Kekse und Saft für mich versteckt hatte”, berichtet die Mutter. Sie möchte zum Schutz ihres Kindes anonym bleiben. Auf der Toilette habe der Lehrer das Kind dann ausgezogen.

Die Eltern rufen die Polizei und den Rettungsdienst. Im Arztbericht heißt es: Verdacht auf Vergewaltigung. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln wegen Vollzuges des Beischlafs oder ähnlicher sexueller Handlungen mit einem Kind. Der Sechsjährige ging vor der Tat schon ein knappes halbes Jahr in die Koranschule einer Berliner Moschee – immer samstags. Insgesamt 70 Kinder werden dort unterrichtet. Der Täter war sein Lieblingslehrer.

Erwachsene berichten, was ihnen als Kindern angetan wurde

Mimoun Azizi
Der muslimische Arzt Mimoun Azizi meint: Kindesmissbrauch in Moscheen ist ein durchaus relevantes Problem.Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ist das ein Einzelfall? FAKT recherchiert: Die Redaktion fragt alle Polizeidienststellen größerer Städte in Deutschland an. Das Ergebnis: nur vier angezeigte Fälle in den letzten fünf Jahren. Doch der muslimische Arzt Mimoun Azizi meint: Kindesmissbrauch in Moscheen ist ein durchaus relevantes Problem. Ihm als Neurologe und Psychiater berichten Erwachsene, was man ihnen als Kinder angetan hat.

“In den letzten 15 Jahren ist es eben häufiger vorgekommen, dass ich dann Patienten behandelt habe, die tatsächlich auch missbraucht worden sind”, sagt Azizi. Dieses Problem gebe es nicht nur bei deutschen Muslimen, sondern er habe es auch bei Flüchtlingen beobachtet. Einige hätten berichtet, dass sie dies in den jeweiligen Ländern ähnlich erlebt haben.

Doch darüber zu reden fällt den Opfern extrem schwer. Dass Kinder in Moscheen missbraucht werden, daran zweifelt der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, nicht. Er kümmert sich seit den Missbrauchsskandalen in der katholischen Kirche um Prävention und Aufarbeitung von sexueller Gewalt gegen Kinder.

Begünstigende Strukturen für sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche sind immer Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse, geschlossene Strukturen, in denen es machtvolle einzelne Personen gibt. Und begünstigend ist auch, wenn Sexualität mit einem starken Tabu belegt ist.

Johannes-Wilhelm Rörig

Inzwischen kooperieren die Kirchen, was die Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch angeht. Wie viele Sport- und Kulturverbände haben sie eine Schutzvereinbarung mit dem Beauftragten abgeschlossen. Damit verpflichten sie sich etwa, dass alle Mitarbeiter, denen Kinder anvertraut sind, ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen müssen und dass es regelmäßige Schulungen zum Thema sexuelle Gewalt gibt. Zudem müssen Personen benannt werden, an die sich Betroffene wenden können.

Dieses Jahr hat der Zentralrat der Muslime eine Vereinbarung mit dem Missbrauchsbeauftragten unterschrieben, ein solches Schutzkonzept umzusetzen. Bislang als einziger muslimischer Verband. Auf die FAKT-Anfrage antworten der Islamrat und die Alevitische Gemeinde telefonisch, dass sie nun gern mit dem Beauftragten in Kontakt treten möchten. Sie seien offen für das Thema. Auch der Verband der Islamischen Kulturzentren möchte sich auf zeitnah mit Missbrauchsbeauftragtem treffen. Den Wunsch nach einem Treffen äußert auf einmal auch die türkisch-islamische Anstalt für Religion, DITIB – nachdem es zwei Jahre lang nicht zum Gespräch gekommen war.

Absolutes Tabuthema: Leidtragenden sind die Opfer

Dieser erste Schritt und ein offener Umgang mit diesem Thema ist dringend notwendig. Denn sexueller Missbrauch von Kindern – erst recht im Zusammenhang mit Moscheen oder Imamen – ist unter Muslimen ein absolutes Tabu. Die Leidtragenden sind die Opfer –  wie der Sechsjährige aus Berlin. Seine Mutter erlebt ihn nach der Tat als vollkommen verändert: “Er hat Angst, wenn ich ihn ausziehe, schreckliche Angst. Es hat drei Tage gedauert, bis ich ihn baden konnte. Es muss jetzt immer jemand mit ihm auf die Toilette, er will nicht alleine gehen. Und er hat immer schreckliche Angst, auch wenn er schläft, er schreit im Schlaf.”

Nach Angaben der Familie habe der Vorstand der Moschee ihnen viel Geld geboten, wenn sie schweigen. Als sie dennoch die Polizei riefen, setzte der Täter sich sofort ins Ausland ab. Die Familie möchte das Schweigen brechen  – auch wenn sie zum Schutz ihres Kindes anonym bleiben wollen.

“Ich erhoffe mir von diesem Interview, dass, wenn andere Kinder in Moscheen missbraucht wurden, dass sie sich bei den Eltern melden”, erklärt die Familie des Sechsjährigen. “Oder die Eltern, hört mich, es ist nicht so schlimm, ihr könnt zur Polizei, zum Krankenhaus gehen. Ihr könnt anonym sein, so wie wir.” Denn bislang gibt es für betroffene Muslime so gut wie keine Beratungsstellen, auch speziell geschulte Therapeuten fehlen.

Mehr zu diesem Thema bei FAKT in Das Erste:Fernsehen | 10.10.2017 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Oktober 2017, 19:10 Uhr

Gewalt gegen Kinder: Hilfe “nur minimal finanziert”

Kindesmissbrauch

       Gewalt gegen Kinder: Hilfe “nur minimal finanziert”

  • Zahl der Missbrauchsfälle gegen Kinder unverändert hoch.
  • Kölner Verein “Zartbitter” fordert Taten statt Worte.
  • Interview mit Erziehungswissenschaftlerin Ursula Enders.

Die Erziehungswissenschaftlerin Ursula Enders, Autorin und Leiterin des von ihr mitbegründeten Vereins “Zartbitter”, verlangt mehr Schutz für Kinder und Jugendliche vor sexuellen Übergriffen. Im Interview mit dem WDR fordert sie, Hilfsangebote und Beratungsstellen finanziell besser auszustatten.

WDR: Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, kritisiert, dass in Deutschland die sexuelle Gewalt gegen Kinder seit Jahren unverändert hoch ist. Wie sind Ihre Erfahrungen für das Land NRW?

Ursula Enders: Den Kölner Verein Zartbitter gibt es seit 30 Jahren. In diesem Zeitraum sind die Zahlen durchweg gleichgeblieben. Wir haben im Jahr durchschnittlich über 600 Beratungsanfragen in aktuellen Fällen. Die Zahl wäre noch deutlich höher, wenn wir auswärtige Hilfesuchende nicht abweisen müssten.

Verändert hat sich jedoch das Täterprofil. Heute wird rund die Hälfte der uns genannten Fälle sexueller Gewalt durch gleichaltrige Kinder und Jugendliche verübt. Die Zahl der beschuldigten Erwachsenen ist hingegen etwas rückläufig. Aber das Ausmaß der Gewalt insgesamt ist keinesfalls zurückgegangen.

WDR: Wie sieht die Gewalt aus?

Enders: Das Ausmaß der sexuellen Gewalt an Kindern macht eine Studie des Hessischen Kultusministeriums aus diesem Jahr deutlich. Danach haben 55 Prozent der Mädchen und 40 Prozent der Jungen, die einen neunten oder zehnten Jahrgang in der Schule besuchen, Erfahrungen mit verbaler und sexueller Gewalt sowie mit sexueller Belästigung im Internet.

Symbolbild Kindesmisshandlung: Ein Mädchen sitzt traurig in der Ecke; Rechte: pa/ dpa

31 Prozent der Mädchen und fünf Prozent der Jungen haben sexuelle Gewalt mit Körperkontakt erlebt. Daran wird deutlich, dass die Zahlen des BKA, die darauf schließen lassen, dass in jeder Klasse etwa jedes zweite Kind sexuellen Missbrauch erlebt haben, die Problematik insgesamt keinesfalls erfassen. Denn sexuelle Gewalt durch Gleichaltrige wird kaum angezeigt.

WDR: 2010 wurden zahlreiche Fälle sexueller Gewalt in Elite-Internaten und Schulen bekannt. Hat sich in NRW seither etwas verändert?

Enders: Die Öffentlichkeit hört zwar plötzlich zu und auch das Thema Missbrauch an Jungen wurde wahrgenommen. Das führte aber nicht dazu, dass die vorhandenen Projekte besser finanziert wurden: NRW ist eines der Bundesländer, das nach 2010 keinerlei Konsequenzen aus der öffentlichen Debatte gezogen hat. Andere Länder haben seinerzeit immerhin ihre Präventionsangebote finanziell besser abgesichert, vor allem die Hilfe für betroffene Jungen.

Ärgerlich ist zudem, dass Zartbitter Köln bereits Anfang der 1990er Jahre das Thema sexueller Missbrauch an Jungen aufgedeckt hat und entsprechende Hilfs- und Präventionsangebote gemacht hat. Diese werden aber vom Land bisher nicht ausreichend gefördert.

WDR: Wie sieht es mit Prävention und Hilfsangeboten in NRW aus?

Enders: Das Land NRW ist ein klassisches Beispiel dafür, dass in der Politik viel über Schutzmaßnahmen gegen sexuelle Gewalt geredet und wenig getan wird. Zartbitter in Köln ist eine der ganz wenigen Beratungsstellen für Mädchen und Jungen, die vom Land finanziert werden. Wir haben hier nur insgesamt vier Stellen für die Beratungsarbeit und die Präventionsarbeit gegen sexuellen Missbrauch. Die vielen Betroffenen von außerhalb von Köln müssen wir abweisen.

Gleichwohl hat uns das Land NRW immer nur minimal finanziert. Im Jahr 2000 wurde die Förderung deutlich gekürzt und bis heute nicht angehoben, sodass wir heute den gleichen Betrag vom Land bekommen wie im Jahr 2000, ohne dass steigende Personal- und Sachkosten berücksichtigt werden.

WDR: Was fordern sie von der Landesregierung?

Enders: Wir fordern eine Absicherung der Vernetzungsstruktur der Fachberatungsstellen. Wir fordern die finanzielle Absicherung der zum Teil seit 20 Jahren mit minimalen Budget arbeitenden Fachberatungsstellen. Einige bekommen bis heute keinen Cent von der Landesregierung. Wir fordern eine systematische Aufnahme der Problematik in die Ausbildungsgänge zukünftiger Pädagogen.

Wir fordern, dass sich das Land einer Initiative anschließt, dass noch im Jahr 2018 ein “Kindesmissbrauchsbekämpfungsgesetz” verabschiedet wird – sowie es auch der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, fordert.

Ursula Enders, Mitbegründerin und Leiterin vom Kölner Verein "Zartbitter"

Ursula Enders ist Erziehungswissenschaftlerin, Autorin und Leiterin des von ihr mitbegründeten Vereins “Zartbitter”, eine Kölner Kontaktstelle gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen. Sie hat u.a. im Auftrag des Landes die Expertise “Sexueller Kindesmissbrauch und Jugendhilfe” erstellt.

Stand: 06.10.2017, 12:02 WDR