Demütigende Aufarbeitung der Gewalt in Heimen der evangelischen Brüdergemeinde Korntal

Missbrauchsskandal Korntal

Missbrauch Korntal Skizze

Demütigende Aufarbeitung der Gewalt in Heimen der evangelischen Brüdergemeinde Korntal

Seit 2015 begleitet Ursula Enders von Zartbitter e.V. Betroffene, die in ihrer Kindheit und Jugend in den Kinderheimen der ev. Brüdergemeinde Korntalkörperliche, psychische und sexuelle Gewalt erlebt haben. Diese sind nicht nur von zurückliegenden Gewalterfahrungen betroffen, sondern ihnen sind ebenso eklatante Verletzungen ihrer persönlichen Grenzen durch mit der „Aufklärung“ bzw. Aufarbeitung der zurückliegenden Gewalthandlungen beauftragten „Expert*innen“ zugefügt worden. Einzelne Betroffene mussten sich aufgrund einer durch die verletzende Aufarbeitung ausgelöste Retraumatisierung in ambulante bzw. stationäre Behandlung begeben. 

Hier finden Sie eine Stellungnahme zum Aufarbeitungsprozess in Korntal.

In einer ergänzenden Stellungnahme hat Zartbitter e.V. einige Aspekte der Argumentation von Ursula Enders nochmals differenziert begründet.

Quelle: Zartbitter e.V. Köln

http://www.zartbitter.de/gegen_sexuellen_missbrauch/Aktuell/100_index.php

Opfer der Brüdergemeinde Aufklärer bestätigen schweren sexuellen Missbrauch und Gewalt an Kindern in Korntal

Opfer der Brüdergemeinde Aufklärer bestätigen schweren sexuellen Missbrauch und Gewalt an Kindern in Korntal

Im Missbrauchsskandal von Korntal bestätigen erste Untersuchungsergebnisse die Vorwürfe von Opfern: Danach hat es in den Kinderheimen der Evangelischen Brüdergemeinde jahrelang ein System der Gewalt gegeben.

Anderthalb Monate nach dem Start der Aufklärung von Missbrauchsfällen in Kinderheimen der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal haben die beiden unabhängigen Aufklärer, die ehemalige Richterin Dr. Brigitte Baums-Stammberger und der Erziehungswissenschaftler Prof. Benno Hafeneger (Philipps-Universität Marburg), in REPORT MAINZ exklusiv erste Ergebnisse ihrer Untersuchung präsentiert.

Kinderheim der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal

Danach haben Kinder in den Kinderheimen der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal von den 1950er Jahren bis in die 1980er Jahre systematisch körperliche, psychische und sexuelle Gewalt erleiden müssen. Die Heimleitung habe nachweislich von Vorfällen sexuellen Missbrauchs gewusst, diese jedoch vertuscht. Exklusive Recherchen von REPORT MAINZ zeigen zudem, dass es sogar noch Anfang der 2000er Jahre Missbrauchsfälle in einem Kinderheim der Evangelischen Brüdergemeinde in Korntal gab.

2003 verurteilte das Landgericht Stuttgart einen Erzieher wegen sexuellen Missbrauchs in einer Vielzahl von Fällen. Ehemalige Heimkinder berichten in REPORT MAINZ, dass sie nicht nur im Kinderheim missbraucht worden seien, sondern auch im Rahmen von so genannten Patenschaften zeitweise an Einzelpersonen und Paare vermittelt wurden. In den Privathäusern sei es zu schweren sexuellen Übergriffen gekommen, bis hin zur Vergewaltigung.

Recherchen von REPORT MAINZ in bisher nicht ausgewerteten Aktenbeständen zeigen, dass Paten damals sogar gezielt Wünsche für bestimmte Kinder äußerten. In einem Brief fragte ein Mann, ob ihm das Kinderheim “gelegentlich ein kleines Mädchen” vermitteln könne, das “zwischen 5 und 10” Jahre alt sein sollte. Die Aufklärer wollen dieser Spur nachgehen und klären, ob es gar ein “pädophiles Netzwerk” gab, wie manche Opfer behaupten.

Der Verantwortliche der Brüdergemeinde, der weltliche Vorsteher Klaus Andersen, streitet im Interview nicht ab, dass es einzelne Vorfälle körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt gab: “Das bedauern wir sehr. Und ich weiß, dass damals auch die Mitarbeiter, trotz alledem, mit viel Herzblut und Engagement ihre Arbeit getan haben. Dass diese Dinge in Einzelfällen passiert sind, das tut uns leid.” Zum möglichen Missbrauch in Patenschaften befragt, sagte er: “Schwere Vorwürfe, ich kann‘s nur wiederholen. Und auch da hoffe ich, dass die Aufklärer uns aufzeigen, was damals tatsächlich passiert ist.”

SWR Aktuell BadenWürttemberg zu dem Missbrauchsskandal

Aufklärung hat erst begonnen

Dauer2:35 minQuelleSWR 2017

2:35 min | 30.5.2017 | 22.00 Uhr | Das Erste

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Aufklärung hat erst begonnen

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Stand: 1.6.2017, 16.07 Uhr

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Sexueller Missbrauch in Heimen der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal

Sexueller Missbrauch in Heimen der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal

Vor dem Abschluss des Aufarbeitungsprozesses kritisieren Opfer “mangelnde

Transparenz” und “unangemessen niedrige Anerkennungssummen”

Interne Protokolle zeigen: Verpasste Berufs- und Lebenschancen wurden nicht berücksichtigt.

Brüderschaft

Fahne der evangelischen Brüdergemeinde Korntal

Unmittelbar vor dem Abschluss des Aufarbeitungsprozesses der Missbrauchsvorfälle in der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal am 07.06.2018 kritisieren Opfer gegenüber REPORT MAINZ “mangelnde Transparenz”, “nicht nachvollziehbare Kriterien”, sowie “unangemessen niedrige Anerkennungssummen”. Ein ehemaliges Heimkind erklärt: “Alle mir bekannten Betroffenen, eingeschlossen ich, wurden retraumatisiert. Wir fühlten uns abermals missbraucht, nicht gehört und ohnmächtig. Wir konnten keinen Willen zu ehrlicher Aufarbeitung erkennen.”

Die ehemalige Jugendrichterin Dr. Brigitte Baums-Stammberger und der Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Benno Hafeneger (Universität Marburg) hatten über 100 Fälle von “sexualisierter, körperlicher und seelischer Gewalt” an Kindern, die in Obhut der pietistischen Gemeinde in Korntal aufwuchsen, untersucht. Das Ergebnis dieser Untersuchung wurde am 07.06.2018 in einer Pressekonferenz vorgestellt.

Kritik der Opfer richtet sich gegen die Auftraggebergruppe (AGG)

Die Kritik der Opfer richtet sich gegen die Brüdergemeinde und die Auftragsgebergruppe (AGG), die die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals bei der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal gesteuert hat.

Dem ARD Politikmagazin REPORT MAINZ liegen exklusiv Sitzungsprotokolle der AGG aus dem Oktober 2017 vor, aus denen die Vergabekriterien für die Anerkennungsleistungen der Opfer ersichtlich werden. Demnach legte das Gremium fest, dass ausschließlich das “immaterielle Leid” der Opfer für die Höhe der Entschädigung ausschlaggebend sein sollte. Der Begriff wird als das “direkt aus den Taten erlittene Leid” definiert. Nicht berücksichtigt werden sollten dagegen Auswirkungen der schweren Gewalterfahrungen, die sich etwa in “verpassten Berufs- und Lebenschancen” niedergeschlagen hätten.

Der unabhängige Beauftragte der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes Wilhelm Rörig, beobachtet den Aufarbeitungsprozess in Korntal seit Längerem. Gegenüber REPORT MAINZ sagte er:

“Wir haben wiederholt wahrgenommen, dass es hier immer wieder zu empfindlichen Störungen zwischen Betroffenen und der Brüdergemeinde gekommen ist. Betroffene fühlten sich mehrfach nicht ernst genommen, vermissten Gespräche auf Augenhöhe und persönliche Wertschätzung.”

Erfahrungen waren “demütigend”

Auch das ehemalige Heimkind Detlev Zander beschreibt in einem aktuellen Interview mit REPORT MAINZ seine Erfahrungen mit der Evangelischen Brüdergemeinde als “demütigend”. Über seine Kindheit in Korntal berichtet er: Er habe von seinem vierten bis zu seinem vierzehnten Lebensjahr schwerste sexuelle Gewalt erleben müssen. Vier verschiedene Täter hätten ihn vergewaltigt, zwei von ihnen regelmäßig. Der Hausmeister der Einrichtung habe ihn sogar mehrmals am Tag aus der Schule geholt, in den Fahrradkeller des Heimes gezerrt, auf der dort vorliegenden Werkbank festgebunden und mit Schraubenziehern sexuell gefoltert. Detlev Zander hatte die systematische Gewalt und den sexuellen Missbrauch von Heimkindern in Korntal 2013 an die Öffentlichkeit getragen. Auch er kritisiert die Aufarbeitung scharf.

Die Evangelische Brüdergemeinde hatte vor wenigen Wochen erklärt, dass die ersten Anerkennungsleistungen an betroffene Heimkinder gezahlt worden seien. Die Anerkennungssummen bewegen sich demnach zwischen “unter 5.000 EUR und 20.000 EUR”. Die Kriterien für die Entscheidung über die Höhe der Summe gab die Brüdergemeinde nicht bekannt. REPORT MAINZ liegen Bescheide über Anerkennungsleistungen vor. Darin erklärt die Gemeinde, dass die Entscheidungen nicht anfechtbar seien. In einem Begleitbrief entschuldigt sich die Brüdergemeinde und schreibt, “damals ist Kindern in unseren Einrichtungen schweres Unrecht und Leid zugefügt worden.”

HINTERGRUND

Im Mai 2017 berichtete REPORT MAINZ erstmals von einem System der Gewalt in Heimen der Evangelischen Brüdergemeinde. Zwei Betroffene erzählten exklusiv von schwerem sexuellen Missbrauch bis hin zu Vergewaltigungen, dem sie immer wieder durch Mitarbeiter der Kinderheime ausgesetzt gewesen sein sollen. Darüber hinaus habe die Brüdergemeinde sie an Wochenenden an so genannte Patenfamilien abgegeben, wo sie ebenfalls sexuell missbraucht worden sein sollen. Der weltliche Vorsteher der Evangelischen Brüdergemeinde, Klaus Andersen, sagte damals gegenüber REPORT MAINZ: “Das bedauern wir sehr. Und ich weiß, dass damals auch die Mitarbeiter, trotz alledem, mit viel Herzblut und Engagement ihre Arbeit getan haben.”Stand: 6.6.2018, 10.20 Uhr

Brüdergemeinde Korntal bittet “um Vergebung”

KINDERHEIME IN KORNTAL UND WILHELMSDORF

Brüdergemeinde bittet “um Vergebung”

Die Evangelische Brüdergemeinde Korntal hat sich für Missbrauchsfälle in ihren Heimen entschuldigt. Nach über einjähriger Arbeit stellte sie am Donnerstag ihren Aufklärungsbericht vor.

“Wir bitten um Vergebung für den Missbrauch“, sagte der weltliche Vorsteher der Brüdergemeinde, Klaus Andersen. Die Gemeinde erkenne “schmerzlich und demütig in tiefer Betroffenheit das Leid der Betroffenen“ an. Der Aufklärungsbericht zu den Missbrauchsfällen in den Kinderheimen von 1945 bis in die 1980er Jahre bringe “erschreckende Gewissheit” darüber, was in den Heimen passiert sei.

Der weltliche Vorstand der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal, Klaus Andersen, am 07.06.2018 bei der Vorstellung des Aufklärungsberichts zu den Missbrauchsfällen (Foto: SWR)
Vorstand Klaus Andersen bat die Opfer um Vergebung SWR

Um der Wahrheit auf den Grund zu kommen, hatte die pietistische Gemeinde zwei unabhängige Aufklärer verpflichtet: die ehemalige Richterin Brigitte Baums-Stammberger und den Erziehungswissenschaftler Prof. Benno Hafeneger.

Bruno Hafeneger hatte unter anderem Archivmaterialien der Brüdergemeinde analysiert. Man habe damals gewusst von Taten und Tätern, sagte er auf der Pressekonferenz. In Akten fanden sich laut Hafeneger dokumentierte Fälle von körperlicher und sexualisierter Gewalt.

Zahlreiche Opfer

Zur Aufklärung wurden auch Interviews mit mehr als 100 Opfern geführt. Laut Brigitte Baums-Stammberger kam heraus, dass 56 ehemalige Heimkinder sexualisierte Gewalt und 93 Kinder körperliche Gewalt erlebt haben.

Pressekonferenz am 07.06.2018 zu den Missbrauchsvorwürfen in der Brüdergemeinde Korntal (Foto: SWR)
Die Brüdergemeinde Korntal hatte zwei unabhängige Aufklärer verpflichtetSWR

Opfervertreter hatten lange dafür gekämpft, dass die Gemeinde ihre Vergangenheit aufarbeitet und Betroffene für das erlittene Leid entschädigt. Bis zu 20.000 Euro pro Person wurden ausgezahlt.

Erleichterung bei den Opfern

Opfervertreter Detlev Zander sprach von Genugtuung und Erleichterung. Nun sei schwarz auf weiß nachzulesen, was ihm und anderen in den Heimen angetan worden sei. Er sei jedoch geschockt, dass die Verantwortlichen der Brüdergemeinde damals laut Bericht von Misshandlungen wussten und sie die Kinder trotzdem nicht davor geschützt haben. “Da müssten einem die Tränen kommen”, sagte er. Gegenüber der SWR-Sendung Report Mainz hatte er die Aufarbeitung zuvor scharf kritisiert.

Brüdergemeinde: Geschehenes nicht vergessen

Die Evangelische Brüdergemeinde Korntal erklärte, die Ergebnisse des Berichts verstehe sie als Auftrag, das Geschehene nicht zu vergessen. Noch bis zum 30. Juni 2020 hätten ehemalige betroffene Heimkinder die Möglichkeit für Interviews mit Brigitte Baums-Stammberger. Solange würden auch “Anträge für Anerkennungsleistungen” angeboten. Diakonie und Brüdergemeinde würden an einem Weg arbeiten, um die Erinnerung wachzuhalten: gegen das Vergessen und für ein aufmerksames Miteinander.

STAND

Kindesmissbrauch in der Kirche  Man muss es immer wieder hören

Kindesmissbrauch in der Kirche 

Man muss es immer wieder hören

Holzkreuze
Vor acht Jahren wurde das Ausmaß der sexuellen Übergriffe in Deutschland sichtbar.

(Foto: Andreas Gebert/dpa)

Missbrauchsopfer und Kirchenvertreter treffen sich in Berlin, es ist ein harter Tag voller schrecklicher Geschichten. Diese Aufarbeitung muss weitergehen – sie braucht Druck von außen.

Kommentar von Matthias Drobinski, Berlin

Kann man das noch hören? Ist nicht schon alles gesagt und wiederholt, was über die sexualisierte Gewalt zu sagen ist, die Pfarrer, Priester, Ordensleute, Kirchenmitarbeiter Jungen und Mädchen angetan haben? Wer an diesem Mittwoch in Berlin die Geschichten der Betroffenen gehört hat, die sie auf Einladung des Unabhängigen Beauftragten der Regierung für Fälle von sexuellem Missbrauch erzählt haben, der kann nur sagen: Man muss es immer wieder hören. Man muss den Frauen und Männern ins Gesicht sehen, die weinend oder zornig berichten, wie stolz sie waren, dass der Herr Pfarrer sich für sie so sehr interessierte – oder wie sie brutal vergewaltigt wurden. Man muss die Bitterkeit und Wut derer ertragen, die von aller Welt verlassen waren. Und man muss die bohrenden Fragen stellen: nach schonungsloser Aufarbeitung, nach Anerkennung und Entschädigung für dieses Leid, nach Hilfe für die Betroffenen, Strafe für die Täter und Konsequenzen für die Institution.

Acht Jahre nachdem das Ausmaß der Übergriffe erst am Berliner Canisius-Kolleg der Jesuiten und dann überall im Land sichtbar wurde, ist das Thema längst nicht erledigt, auch wenn das mancher Kirchenvertreter hoffen mag. Im Gegenteil: Die Aufarbeitung steht am Anfang. Wenn die katholischen Bischöfe im September ihren Aufarbeitungsbericht veröffentlichen, wird das kein Abschluss sein, sondern ein Zwischenschritt.

Sicher: Die katholische und die evangelische Kirche haben in diesen acht Jahren einiges gelernt und getan. Sie haben endlich die Betroffenen angehört und Scham und Reue bekundet, sie haben (meist viel zu niedrige) Entschädigungen bezahlt, Beauftragte ernannt und Präventionskonzepte aufgelegt. Kinder und Jugendliche sind heute in kirchlichen Einrichtungen sicherer als vor zehn Jahren. Doch noch immer ist das wirkliche Ausmaß der Gewalt nicht erforscht; die Standards der Aufarbeitung bleiben oft unklar, Betroffene berichten von neuen Demütigungen, wenn sie verlangen, was ihnen zusteht. Und noch immer scheuen sich Bischöfe wie Theologen, die wahrhaft schmerzhafte Frage zu stellen: Wie sehr begünstigt die Vorstellung von der Heiligkeit der Institution und der Amtsautorität, dass Täter geschützt und Opfer alleingelassen werden? Wie sehr tragen sexuelle Tabuisierungen dazu bei, dass Verschweigestrukturen entstehen?

Strukturen des Schweigens gibt es nicht nur in den Kirchen, das hat “Me Too” gezeigt

Das ist nicht allein ein Thema der Kirchen; die “Me Too”-Debatte hat gezeigt, dass Täterschutz- und Verschweigestrukturen überall entstehen können, wo sich Institutionen unangreifbar machen wollen und angebliche Hohepriester sich selbst vergöttern. Auch deshalb ist die Aufarbeitung der sexualisierten Gewalt in den Kirchen so wichtig – sie ist ein Rollenmuster für andere Bereiche. Und eben deshalb darf diese Aufarbeitung nicht einfach den Kirchen allein überlassen werden: Ohne Druck von außen gewinnen schnell jene Kräfte die Oberhand, denen die glänzende Fassade der Kirche wichtiger ist als das Leid der Opfer.

Gut also, dass Familienministerin Franziska Giffey versprochen hat, dass die Arbeit des Unabhängigen Beauftragten der Regierung weitergehen kann; sie gehört professionalisiert und politisch gestärkt. Und es braucht endlich ein Opferentschädigungsgesetz, das diesen Namen verdient. Dann könnte man diesen weinenden und zornigen Menschen endlich ohne Scham ins Gesicht sehen.

Kriminalität Kindheit im Risikoraum

Kindheit im Risikoraum

Hunderte Zöglinge wurden in der evangelisch-pietistischen Gemeinde Korntal Opfer von Gewalt. Die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle war langwierig und demütigend. Von Matthias Drobinskimehr…

Brüdergemeinde Korntal : Ein System der Gewalt

Korntal: Ein System der Gewalt

„Die Aufklärer sehen ein System der Gewalt in Korntal, dafür bat die Diakonie heute um Entschuldigung“.[1]

Detlev Zander hatte den Stein ins Rollen gebracht. Er sagt: „Die haben uns regelrecht die Seele gebrochen.“ [2]

Die „Diakonie der evangelischen Brüdergemeinde Korntal gGmbH“[3] denkt schon weiter: „Wir erleben aber, dass in persönlichen Kontakten mit Betroffenen ein Verständigungsprozess vielleicht – sogar ein Versöhnungsprozess möglich ist“.[4]

O ja, die Harmonie, es gab sie nicht, doch man hätte sie gern.

Wenn man sich anschaut, wie lange Korntal sich gesträubt hat beim ersten Schritt, der Erinnerung, wie aufwendig der zweite Schritt war, die Verständigung, dann denkt man doch etwas vorschnell an Versöhnung.[5] Auch die Aufarbeitung der Erinnerungen wurde nur unvollständig und wenig professionell geleistet. Heftige Kritik übt auf zwanzig Seiten Ursula Enders unter der Überschrift „Doppelter Verrat, – Demütigende Aufarbeitung der Gewalt in Heimen der evangelischen Brüdergemeinde Korntal“[6]. Die Opfer – und nur sie – können entscheiden, ob sie so etwas wie Vergebung und Versöhnung überhaupt wünschen, unter welchen Umständen sie möglich ist, und wann der Zeitpunkt dafür sein könnte. Denn durch den aktiven Widerstand gegen die Aufarbeitung, es begann mit der Verleugnung, begleitet von Verleumdungen, wurde die heutige Diakonie zu einer Täterorganisation, die nicht nur die damaligen Taten bei einer Versöhnung, sondern ihr eigenes Verhalten auf den Prüfstand stellen muss.

Bei der internen Aufarbeitung – hat sie schon begonnen? – muss man im Fall von Korntal drei Kategorien von Kindesmisshandlung unterscheiden.

  1. Die gewalttätige Pädagogik (Misshandlungen)
  2. Die „ideologische“ Beeinflussung
  3. Den sexuellen Missbrauch.

Dazu gesellt sich durchgehend der Faktor der Vertuschung, angefangen vom Nichtwahr­habenwollen zur Zeit der Misshandlungen bis zur Leugnung der Taten und der Verschleppung der Aufklärung.[7]

Mit dem sexuellen Missbrauch ist man schnell fertig, denn er war nie entschuldbar.

Die „ideologische“ Beeinflussung ist schon etwas schwieriger einzuordnen, schließlich war Korntal von Beginn an eine dezidiert pietistische Einrichtung. Selbstverständlich gab es Andachten und Gottesdienste, selbstverständlich versuchte man die Kinder im Geiste des Pietismus zu erziehen. Erziehung geschieht immer im weltanschaulichen Rahmen der Erziehenden, selbst wenn dieser ein freigeistiger ist. Die Frage ist nur, was man tut, wenn die Kinder aus dem weltanschaulichen Korsett austeigen wollen.

buschSchwieriger ist schon die gewalttätige Pädagogik.[8] Sie war in der Regel ideologisch unter­mauert – wie auch die Erziehung zu Demut und Gehorsam. Gerade für eine „fromme“ Einrichtung wie Korntal geht es dabei an die Substanz, jedenfalls soweit die frühere Pädagogik betroffen ist. Denn die speist sich aus der Überzeugung, dass das Leben im Himmel wichtiger ist als das auf der Erde. Dafür die Weichen zu stellen, rechtfertigte auch – zuweilen heuchlereich – die Gewalt. Da werden sich unsere Frommen zu anderen frommen Vorstellungen überwinden müssen. Ich empfehle die Besinnung auf Christph Blumhardt. Der war fromm, dabei nicht engstirnig und sozial sehr aktiv.[9]

Fußnoten

[1] So auf der Pressekonferenz: https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/Missbrauchsfaelle-Bruedergemeinde,av-o1029559-100.html

[2] https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/Missbrauchsfaelle-Bruedergemeinde,av-o1029559-100.html

[3] http://www.diakonie-korntal.de/

[4] https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/Missbrauchsfaelle-Bruedergemeinde,av-o1029559-100.html

[5] Zu diesem Dreischritt: https://dierkschaefer.wordpress.com/2017/09/27/das-geheimnis-der-erloesung-heisst-erinnerung/

[6] https://www.zartbitter.de/gegen_sexuellen_missbrauch/images/Presse/Bericht_Korntal.pdf

[7] In anderen kirchlichen wie staatlichen Einrichtungen kämen noch die Zwangsarbeit und das Vorenthalten angemessener Bildung hinzu. Von zweckdienlichen Fehldiagnosen (geistig behindert) ganz abgesehen.

[8] http://gutenberg.spiegel.de/buch/plisch-und-plum-4189/25

[9] Dazu findet man etwas in https://dierkschaefer.wordpress.com/2018/07/16/was-ist-denn-an-bad-boll-so-toll/

Brüdergemeinde Korntal Missbrauchsfälle Kindheit im Risikoraum

Missbrauch in Korntal  

Kindheit im Risikoraum

Brüdergemeinde Korntal
Aufarbeiten, was hinter diesen Mauern geschah: das Kinderheim der Brüdergemeinde Korntal.

(Foto: Daniel Naupold/dpa)

Hunderte Zöglinge wurden in der evangelisch-pietistischen Gemeinde Korntal Opfer von Gewalt. Die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle war langwierig und demütigend.

Von Matthias Drobinski, Stuttgart

Vier Minuten hat Detlev Zander jetzt. Vier Minuten, wo doch so viel zu erzählen wäre über diese Kindheit mit Demütigungen, Schlägen, Vergewaltigungen; wo er doch reden müsste über die Zeit, wo die schlimme Erinnerung wiederkehrte und er beschimpft wurde, weil er darüber redete, wo er selber in Wut und Zorn die Fassung verlor. Die vier Minuten Redezeit im Konferenzraum eines Stuttgarter Hotels hat er sich erkämpft; hat sich, bis es so weit ist, hinter dem Tablet verschanzt und filmt, wischt sich den Schweiß von der Glatze. Aber er hat sich im Griff, seit er Anfang des Jahre in der Klinik war, nach dem Zusammenbruch. Sie haben ihn wieder aufgerichtet und gut eingestellt.

“Heute ist ein schwarzer Tag für die Brüdergemeinde Korntal”, sagt er, “denn jetzt haben wir es Schwarz auf Weiß: Wir haben nicht gelogen.” Vor vier Jahren hat Detlev Zander die Geschichte seiner Kindheit im Kinderheim Hoffmannhaus der evangelisch-pietistischen Brüdergemeinde veröffentlicht. Als 2010 die Übergriffe in der katholischen Kirche und der Odenwaldschule publik wurden, hatte ihn die Erinnerung wieder eingeholt, die er, der gestandene Krankenpfleger, so lange verdrängt hatte. Er wurde zuerst als Lügner hingestellt, doch dann tauchten immer mehr ehemalige Zöglinge auf und bestätigten Zanders Geschichten. Da war die sadistische Tante G., die in ihrer “Rotkehlchengruppe” die Kinder windelweich schlug und sie zwang, Erbrochenes wieder zu essen. Da war der Hausmeister, der immer Jungs abholte, weil er mit ihnen angeblich Fahrräder reparieren wollte. Da war die Zwangsarbeit, waren die prügelnden Erzieher, ohne jede Ausbildung, aber beseelt von der Idee, den Kindern den Teufel austreiben zu müssen.

Und so sitzen jetzt vorn auf dem Podium die frühere Frankfurter Richterin Brigitte Baums-Stammberger und der Marburger Erziehungswissenschaftler Benno Hafeneger und präsentieren ihren Aufklärungsbericht; er enthält die Geschichten von 105 ehemaligen Heimkindern und eine umfangreiche Analyse der Akten. Bis zu 300 Kinder seien Opfer von psychischer, physischer und sexualisierter Gewalt geworden, sagen sie, 81 Täter seien benannt worden, acht könne man als Intensivtäter ansehen. Eine interne Kontrolle habe es so wenig gegeben wie eine funktionierende Heimaufsicht; es habe zwar auch Anzeigen und Gerichtsverfahren gegeben, oft seien die Taten vertuscht worden. “Wie so viele Kinderheime in dieser Zeit waren die Korntaler Einrichtungen für Kinder ein Risikoraum”, sagt Hafeneger; “die Kinder galten als verwahrlost, frech und renitent, das musste ihnen mit Härte ausgetrieben werden.” Hinzu sei noch das Gottesbild der 1819 gegründeten Gemeinschaft gekommen: “Es war das Bild eines strengen, strafenden Gottes.” Der aber wegsah, wenn der Hausmeister sich wieder ein Kind holte.

Man spürt: Es ist ein großer Tag für Detlev Zander, das stille Kind von damals mit der dicken Hornbrille, der dem Hausmeister sagte: Nimm mich, als der sich an seinen sensiblen Freund heranmachte. Der Freund brachte sich dann doch um, er ist einer von vielen. “Ohne mich gäbe es das hier nicht”, sagt Zander, und alle nicken. Er dankt den Aufklärern und auch Klaus Andersen, dem weltlichen Vorsteher der Gemeinde, der mit auf dem Podium sitzt – für seinen Mut, sich auch gegen Widerstände in der Gemeinde den Taten zu stellen. Er sagt aber auch: “Es braucht noch eine Aufarbeitung des Aufarbeitungsprozesses.”

Es war nämlich ein weiter und demütigender Weg bis zu dem Bericht, der da an diesem Donnerstag vorgestellt wird. Klaus Andresen, erst seit 2011Gemeindevorsteher, hatte zunächst die Erziehungswissenschaftlerin Mechthild Wolff mit der Aufarbeitung beauftragt, aber bald hatten sich Wolff und die Betroffenen überworfen. “Sie war sehr unsensibel”, sagt Zander; so habe sie ihn mit Spitznamen wie “Knalltüte”, “Überraschungsei” oder “Krawallbürste” bedacht, “sie fand das witzig, ich verletzend”. Andere, die von Hartz IV lebten, ärgerte es, dass Frau Wolff über den Fortgang ihres Häuslebaus berichtete. Die Betroffenen zerstritten sich, die Aufarbeitung endete in Misstrauen, Schreiereien, bitteren Vorwürfen. “Eine Katastrophe”, sagt Ursula Enders, die Mitbegründerin der Beratungsstelle “Zartbitter”, die Zander begleitet, “ein solches menschliches Versagen habe ich noch nicht erlebt.” Immer noch gibt es keine allgemein anerkannten Standards der Aufarbeitung.

“Er schrie uns an, er müsse den Satan aus uns heraustreiben.”

Zander hätte gerne noch viele Fragen gestellt im Konferenzsaal des Hotels – drei Stunden hatte ein paar Tage vor der Pressekonferenz das Gespräch mit ihm in der Redaktion der Süddeutschen Zeitung gedauert. Warum wurden nur die Akten und Berichte bis Ende der 80er Jahre aufgearbeitet? Der jüngste bekannt gewordene Übergriff stammt aus den frühen 2000er Jahren. Warum finden sich immer noch die Namen der Gewalttäter auf den Ehrentafeln der Gemeinde; warum gibt es keinen Gedenkort für die Opfer? “Es muss auch konsequenter nach der Rolle der Religion und der Kirche gefragt werden”, sagt Zander. Er hat einen Brief an den württembergischen Landesbischof Otfried July geschrieben – dass der ihm freundlich ein Seelsorgegespräch angeboten hat, ist Zander zu wenig. Zu gut ist ihm Pfarrer Fritz Grünzweig in Erinnerung, der von der Landeskirche für seinen Dienst in Korntal freigestellt wurde und hohes Ansehen in der Kirche genoss. “Er schlug uns und rastete manchmal regelrecht aus”, erzählt Zander, “er schrie uns an, er müsse den Satan aus uns heraustreiben, wir seien Teufelsbrut”.

Viel zu viel ist das alles für vier Minuten Redezeit. Vorsteher Andersen ist dran, er bittet um Entschuldigung, verspricht, alles zu tun, um die Würde der Betroffenen wiederherzustellen. Es wirkt echt, aber mancher aus dem Kreis der ehemaligen Heimkinder im Publikum schnaubt empört. Bis Juni 2020 können sich Betroffene melden; die Gemeinde zahlt zwischen 5000 und 20 000 Euro; dass Zander 20 000 Euro erhalten hat, macht ihn nicht bei allen Mitbetroffenen beliebt.

Doch jetzt drängen sich erst einmal alle aufs Gruppenfoto – ein bisschen Versöhnung an diesem Mittag.

Demütigende Aufarbeitung der Gewalt in Heimen der evangelischen Brüdergemeinde Korntal

Missbrauchsskandal Korntal

Missbrauch Korntal Skizze

Demütigende Aufarbeitung der Gewalt in Heimen der evangelischen Brüdergemeinde Korntal

Seit 2015 begleitet Ursula Enders von Zartbitter e.V. Betroffene, die in ihrer Kindheit und Jugend in den Kinderheimen der ev. Brüdergemeinde Korntalkörperliche, psychische und sexuelle Gewalt erlebt haben. Diese sind nicht nur von zurückliegenden Gewalterfahrungen betroffen, sondern ihnen sind ebenso eklatante Verletzungen ihrer persönlichen Grenzen durch mit der „Aufklärung“ bzw. Aufarbeitung der zurückliegenden Gewalthandlungen beauftragten „Expert*innen“ zugefügt worden. Einzelne Betroffene mussten sich aufgrund einer durch die verletzende Aufarbeitung ausgelöste Retraumatisierung in ambulante bzw. stationäre Behandlung begeben.

Hier finden Sie eine Stellungnahme zum Aufarbeitungsprozess in Korntal.

In einer ergänzenden Stellungnahme hat Zartbitter e.V. einige Aspekte der Argumentation von Ursula Enders nochmals differenziert begründet.

Brüdergemeinde Korntal erster Aufklärungsbericht sexueller Missbrauch in den Kinderheimen Korntal und Wilhelmsdorf

Aufklärungsbericht

Aufklärungsbericht

Im Rahmen einer Pressekonferenz am Donnerstag den 07.06.2018 wurde der Aufklärungsbericht zum Missbrauch in den Kinderheimen der Evang. Kirchengemeinde Korntal und Wilhelmsdorf der Öffentlichkeit vorgestellt. Dieser und weitere Dokumente können nun hier eingesehen werden:

Im Rahmen einer Pressekonferenz am Donnerstag den 07.06.2018 wurde der Aufklärungsbericht zum Missbrauch in den Kinderheimen der Evang. Brüdergemeinde Korntal und Wilhelmsdorf der Öffentlichkeit vorgestellt. Dieser und weitere Dokumente können nun hier eingesehen werden:

Pressemitteilung vom 07.06.2018

Redebeitrag Klaus Andersen, Pressekonferenz

Zusammenfassung

Gesamter Bericht

Flyer: Abschließende Informationen zum unabhängigen Aufarbeitungsprozess

Redebeiträge

Redebeiträge zur Pressekonferenz am 07.06.2018 in StuttgartBildergebnis für detlev zander korntal

Redebeitrag Gerd Bauz (Eröffnung der Pressekonferenz)

Redebeitrag Klaus Andersen

Redebeitrag der beiden Moderatoren Prof. Dr. Elisabeth Rohr & Gerd Bauz

Redebeitrag Ludwig Pätzold

Redebeitrag Wolgang Schulz

Redebeitrag Peter Saur

Brüdergemeinde Korntal Abschlussbericht mit schockierenden Details veröffentlicht

Missbrauchsskandal bei der Brüdergemeinde Korntal

Abschlussbericht mit schockierenden Details veröffentlicht

Von tim/lai/fk 

Vier Jahre nach Bekanntwerden der Missbrauchsfälle in Heimen der Brüdergemeinde in Korntal und Wilhelmsdorf ist nun der offzielle Aufklärungsbericht veröffentlicht worden – mit teils schockierenden Ergebnissen.

Detlev Zander hat den Missbrauch in Heimen der Brüdergemeinde vor vier Jahren öffentlich gemacht. Foto: dpa
Detlev Zander hat den Missbrauch in Heimen der Brüdergemeinde vor vier Jahren öffentlich gemacht.Foto: dpa

Korntal-Münchingen – Schwerster sexueller Missbrauch, Vergewaltigungen, Schläge, Drohungen, Kinder, die ihr eigenes Erbrochenes essen mussten – die pietistische Brüdergemeinde in Korntal hat an diesem Donnerstag den lange erwarteten offiziellen Aufklärungsbericht zum Missbrauchsskandal in den drei Kinderheimen der diakonischen Einrichtung in Korntal und Wilhemsdorf vorgelegt. Mit teils schockierenden Ergebnissen.

Sexueller Missbrauch sei „systematisch möglich“ gewesen

81 Täter konnten identifiziert werden: Erzieherinnen, Heimleiter, Ärzte, Hausmeister, aber auch Bäcker oder Stallknechte. Auch zahlreiche Fälle von sexueller Gewalt wurden dokumentiert, die von verbaler Belästigung bis hin zu Vergewaltigungen reichen. Die Erkenntnisse fußen auf Akten und Interviews, die Baums-Stammberger mit insgesamt 105 ehemaligen Heimkindern geführt hat.

Der sexuelle Missbrauch der Heimzöglinge sei in den drei Heimen „systematisch möglich“ gewesen und begünstigt worden, weil Schutz- und Präventionskonzepte fehlten. Hinweise auf ein Netzwerk von Tätern, die systematisch Kinder missbrauchten, haben sich keine ergeben. Vielmehr habe es sich um eine Vielzahl von Einzeltätern gehandelt, die die Situation und das „Klima der Gewalt“ für ihre pädophilen und teils sadistischen Neigungen ausgenutzt hätten. Klaus Andersen, der weltliche Vorsteher der Gemeinde, nutzte die Vorstellung des Berichts, bei der auch mehrere Opfer teilnahmen, zu einer Entschuldigung. „Das Verhalten damals war falsch und entspricht nicht unserem christlichen Verständnis“, sagte er. „Wir bitten ehrlich und von Herzen um Entschuldigung.“

Die Fälle sind verjährt

Strafrechtlich sind die untersuchten Fälle verjährt, der Großteil der Taten ereignete sich zwischen 1949 bis Ende der 1980er Jahre. Detlev Zander, ein ehemaliges Heimkind, hatte den Missbrauchsskandal 2014 publik gemacht.