Aufarbeitung von Missbrauch in der Brüdergemeinde Korntal

Aufarbeitung von Missbrauch in der Brüdergemeinde Korntal

Auf dieser Seite https://www.diakonie-korntal.de/ueber-uns/aufarbeitung-der-heimerziehung.html informieren wir Sie über den laufenden Aufklärungsprozess der Missbrauchsfälle in den Werken der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal 1949 bis in die 1980er Jahre. Wir bedauern zutiefst, dass es in unseren Einrichtungen zu Missbrauch kommen konnte. Als Verantwortliche der Brüdergemeinde Korntal und der Diakonie der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal sehen wir uns allen Betroffenen gegenüber gleichermaßen verpflichtet und verantwortlich. Wir setzen uns daher dafür ein, alle Anspruchsgruppen in diesem Aufklärungsprozess mitzunehmen.

Mehr Informationen über die Arbeit der Moderatoren und Aufklärer unter www.aufklaerung-korntal.

Prävention und Schutz

Das erweiterte Präventions- und Schutzkonzept ist implementiert, die Errichtung einer Erinnerungsskulptur und eine öffentliche Podiumsdiskussion sind in Planung

(Korntal, 31.10.2019) Der Prozess zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in Kinderheimen der Evangelischen Brüdergemeinde in Korntal und Wilhelmsdorf in den 1950er bis 1980er Jahren hat mit der Veröffentlichung des Aufklärungsberichts im Juni 2018 ein wichtiges Ziel erreicht. Ein erweitertes Präventions- und Schutzkonzept wurde 2018 und 2019 in allen Einrichtungen der Diakonie und der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal implementiert. Bis zum 30. Juni 2020 will die Diakonie der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal eine angemessene Form der Erinnerung an das Geschehene sowie der Mahnung und des Eintretens gegen jegliche Form von Missbrauch für die Zukunft sichtbar werden lassen. Eine öffentliche Podiumsdiskussion soll die Einordnung des Korntaler Aufarbeitungsprozesses in die aktuelle gesellschaftliche Debatte um Schutz und Prävention von Missbrauch anregen und Impulse für die Standardisierung künftiger Aufarbeitungsprozesse geben.

Bis zum 30. Juni 2020 haben von Missbrauch betroffene ehemalige Heimkinder aus Korntal und Wilhelmsdorf die Möglichkeit, sich bei der Aufklärerin Frau Dr. Brigitte Baums-Stammberger zu melden und ein Interview mit ihr zu führen sowie Anträge auf Anerkennungsleistungen zu stellen. Mit dieser Entscheidung hatten die Verantwortlichen der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal und ihrer Diakonie bewusst nicht die Veröffentlichung des Aufklärungsberichts Mitte 2018 als Schlusspunkt des Aufarbeitungsprozesses gesetzt, sondern für Betroffene die Gelegenheit geschaffen, bis Mitte 2020 ein Gespräch mit Frau Dr. Baums-Stammberger führen und Anerkennungsleistungen beantragen zu können.

Prävention und Schutz stehen an erster Stelle

„Niemals wieder!“ haben die Verantwortlichen der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal und ihrer Diakonie im Rahmen des Aufarbeitungsprozesses geäußert. Deshalb haben sie dafür gesorgt, dass das bestehende Präventions- und Schutzkonzept überarbeitet und in einer erweiterten Fassung auf alle Arbeitsbereiche von Diakonie und Brüdergemeinde angewandt wurde. Neben den hauptamtlich Beschäftigten wurden auch alle Ehrenamtlichen einbezogen. Die Implementierung ist inzwischen abgeschlossen. Regelmäßige Schulungen und Workshops sollen dazu beitragen, dass Prävention und Schutz als dauerhaftes Thema verankert bleibt und gelebt wird. Unterstützt wird dieser permanente Entwicklungs- und Verbesserungsprozess durch externe Auditierungen, die eine kontinuierliche Prozessqualität ergänzen und sicherstellen.

Für Klaus Andersen, weltlicher Vorsteher der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal, ist die Aufarbeitung von Missbrauch in den Kinderheimen der Evangelischen Brüdergemeinde in Korntal und Wilhelmsdorf weder mit der Veröffentlichung des Aufklärungsberichts Mitte 2018 noch mit der Interviewphase Mitte 2020 zu Ende. „Im Brüdergemeinde-Jubiläumsjahr 2019 haben wir uns in vielen Führungen durch die historische Ausstellung im neuen ZEIT.Raum zahlreichen Fragen zur Aufarbeitung von Missbrauch in unseren Kinderheimen gestellt. Auf Infotafeln und in persönlichen Begegnungen mit Besucherinnen und Besuchern konnten wir ausführlich darüber informieren. Auch über das Jubiläumsjahr hinaus bleibt das Thema Missbrauch und Aufarbeitung in unserer Gemeinde und Diakonie präsent – wir lernen, damit zu leben.“

Vorsteher der Evangelischen Brüdergemeinde Klaus Andersen Quelle:BGK

Erinnerungskultur nimmt Formen an – Einbindung von Betroffenen ist Ziel

Betroffene hatten im Verlauf des Aufarbeitungsprozesses den Wunsch geäußert, in einer angemessenen Form der Vorkommnisse in Korntal und Wilhelmsdorf zu gedenken. Die Evangelische Brüdergemeinde und ihre Diakonie hatten es von Anfang als ihr Anliegen formuliert, mit Betroffenen in einem partizipativen Prozess über geeignete Wege der Erinnerung im Gespräch zu sein und sie an der Suche nach Möglichkeiten zur Umsetzung zu beteiligen.

Für die Entwicklung einer Erinnerungskultur hat die Diakonie der Evangelischen Brüdergemeinde die Initiative ergriffen. Veit-Michael Glatzle, Geschäftsführer der Diakonie der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal, sagt dazu: „Eine adäquate Gedenkkultur soll an unsere schmerzhafte Geschichte erinnern, zu der wir uns bekennen und für die wir um Vergebung gebeten haben. Gleichzeitig soll sie die Erwartung ausdrücken, dass sich Ähnliches nie wieder unter uns ereignet. Wie dies konkret umgesetzt werden kann, wollen wir im Austausch mit Betroffenen gemeinsam bewegen.“

Anfang 2020 soll die Projektidee einer Erinnerungsskulptur Betroffenen und am Korntaler Aufarbeitungsprozess Beteiligten vorgestellt werden. „Von einer solchen Form der Erinnerung erhoffen wir, dass sie sichtbarer Ausdruck der Mahnung für das Geschehene ist“, sagt Veit-Michael Glatzle. „Gleichzeitig soll sie für jegliche Art von Missbrauch sensibilisieren. Dadurch soll sie ein Bewusstsein schaffen, das zu aktivem Engagement gegen jegliche Art von Missbrauch anspornt und dazu beiträgt, dass sich Ähnliches nie wieder ereignet.“ Die Enthüllung der Erinnerungsskulptur ist für Mitte 2020 vorgesehen.

Erfahrungsaustausch mit aufarbeitenden Institutionen

Im ersten Halbjahr 2020 soll auch das vierte „Korntaler Forum Aufarbeitung“ stattfinden. Es bietet Leitern von Institutionen die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch darüber, wie sie in ihren Organisationen angemessen Verantwortung für die Initiierung und Durchführung eines partizipativen Aufarbeitungsprozesses übernehmen können. Dank der Erfahrung von Fachkräften, die sich der Herausforderung einer institutionellen Aufarbeitung bereits gestellt haben, sowie durch Erkenntnisse aus bisherigen Aufarbeitungsprojekten können im „Korntaler Forum Aufarbeitung“ spezifische Fragestellungen erörtert, Hilfestellung bei der Umsetzung konkreter Schritte in Aufarbeitungsprozessen gegeben und Anregungen für weitere Aufarbeitungsprozesse entwickelt werden.

Klaus Andersen hofft, „dass die Ergebnisse unserer Gespräche im „Korntaler Forum Aufarbeitung“ auch zur institutionellen Aufarbeitung der Evangelischen Kirche in Deutschland und ihrer Diakonie und anderer christlichen Konfessionen und Kirchen sowie zur Weiterentwicklung gesellschaftlich relevanter Wege für die Aufarbeitung von Missbrauch beitragen.“ So hat das „Korntaler Forum Aufarbeitung“ bereits konkrete Vorschläge für eine Standardisierung von Aufarbeitungsprozessen an verantwortliche staatliche und kirchliche Stellen übermittelt.

„Im Dialog bleiben“

Zum Ende der Interviewphase im Korntaler Aufklärungsprozess planen die Verantwortlichen der Evangelischen Brüdergemeinde und ihrer Diakonie für Mitte 2020 eine öffentliche Podiumsdiskussion. Im Fokus soll der Austausch verschiedener Anspruchsgruppen des Aufarbeitungsprozesses stehen. Gleichzeitig sollen die Ergebnisse der Podiumsdiskussion einen konstruktiven Beitrag für den gesellschaftlichen Diskurs zum Umgang mit der Aufklärung und der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen leisten. Klaus Andersen sagt dazu: „Uns ist wichtig, auch über unsere eigene Aufklärungsarbeit hinaus mit Betroffenen wie mit anderen Institutionen im Dialog zu bleiben. Nur wenn wir einander zuhören und voneinander lernen, können wir uns bestmöglich für den Schutz von Kindern und Jugendlichen einsetzen.“

Demütigende Aufarbeitung der Gewalt in Heimen der evangelischen Brüdergemeinde Korntal

Missbrauch Korntal Skizze

Seit 2015 begleitet Ursula Enders von Zartbitter http://zartbitter.de e.V. Betroffene, die in ihrer Kindheit und Jugend in den Kinderheimen der ev. Brüdergemeinde Korntal http://brüdergemeinde-korntal.de körperliche, psychische und sexuelle Gewalt erlebt haben. Diese sind nicht nur von zurückliegenden Gewalterfahrungen betroffen, sondern ihnen sind ebenso eklatante Verletzungen ihrer persönlichen Grenzen durch mit der „Aufklärung“ bzw. Aufarbeitung der zurückliegenden Gewalthandlungen beauftragten „Expert*innen“ zugefügt worden. Einzelne Betroffene mussten sich aufgrund einer durch die verletzende Aufarbeitung ausgelöste Retraumatisierung in ambulante bzw. stationäre Behandlung begeben.

Hier finden Sie eine Stellungnahme zum Aufarbeitungsprozess in Korntal.

In einer ergänzenden Stellungnahme hat Zartbitter e.V. einige Aspekte der Argumentation von Ursula Enders nochmals differenziert begründet.

Korntal braucht eine zweite Runde

Brüdergemeinde Korntal Aufklärungsskandal http://brüdergemeinde-korntal.de

Von Susanne Stiefel (Interview) Datum: 06.11.2019 Kontext Wochenzeitung

https://www.kontextwochenzeitung.de/gesellschaft/449/korntal-braucht-eine-zweite-runde-6303.html

Im Stuttgarter LKA Longhorn werfen ExpertInnen einen kritischen Blick auf die Brüdergemeinde in Korntal. Ist die Aufarbeitung der Missbrauchsvorwürfe gelungen? Ein Gespräch mit Matthias Katsch über die schauerliche Geschichte der Heimerziehung, Ruhigstellung durch Medikamente und Entschädigung.

Es diskutierten Angelika Bandle, Matthias Katsch, Angelika Oetken, Markus Diegmann, Brigitte Bosse, Manfred Kappeler und Klaus Andersen (v.l., vorne der Moderator Florian Weber).
Es diskutierten Angelika Bandle, Matthias Katsch, Angelika Oetken, Markus Diegmann, Brigitte Bosse, Manfred Kappeler und Klaus Andersen (v.l., vorne der Moderator Florian Weber).
Fotos: Joachim E. Röttgers

Kinderschuhe stehen verloren am Rand der großen Bühne, kleine Turnschuhe, bunte Hausschuhe, weiße Mini-Sandalen. Dahinter das große Podium der ExpertInnen, die sich auf Einladung der Selbsthilfegruppe Heimopfer Korntal im LKA Longhorn eingefunden haben an diesem grauen Novembersonntag, um über Missbrauch und Zwangserziehung in den Heimen der Evangelischen Brüdergemeinde zu sprechen. Und über die Folgen für die betroffenen Kinder. Die evangelische Landeskirche hatte gekniffen, und so musste Klaus Andersen, der weltliche Vertreter der Brüdergemeinde, die Vorwürfe allein parieren. Und die kamen reichlich. “Es war die Hölle auf Erden”, sagt Angelika Bandle von der Selbsthilfegruppe auf dem Podium. Kratzige Stimme, klare Kante, unerschrocken – sie ist die Mutter Courage der ehemaligen Heimkinder. Matthias Katsch, der vor fast zehn Jahren den sexuellen Missbrauch im Canisiuskolleg in Berlin öffentlich gemacht hat, sitzt als Betroffener in der unabhängigen Aufklärungskommission des Bundes und an diesem Tag als Experte auf dem Podium.

Herr Katsch, Sie haben vor drei Jahren die Diskussion beim evangelischen Kirchentag in Stuttgart zur Heimgeschichte in Korntal verfolgt. Jetzt saßen Sie mit anderen Experten auf dem Podium, das heftig mit der Evangelischen Brüdergemeinde ins Gericht ging. Muss die Aufklärung der Missbrauchsvorwürfe in den Heimen der pietistischen Brüdergemeinde wieder zurück auf Null?

Nicht auf Null. Aber spätestens nach dieser Diskussion ist klar, dass es noch keinen Abschluss gibt. Vieles ist noch nicht bearbeitet, etwa die Folgen der Misshandlungen für das Leben der ehemaligen Heimkinder, die mangelnden Bildungschancen, die fehlende Rente, die Biografien, die oft in der Obdachlosigkeit endeten. Es gibt ehemalige Heimkinder, die sich nicht ausreichend einbezogen fühlen, ExpertInnen, die nicht mehr mitarbeiten wollten, weil sie den Eindruck hatten, es läuft in die falsche Richtung. Das alles zeigt, dass ein neuer Anlauf nötig ist. Da würde ich mich dem Theologen und Psychotherapeuten Helmut Elsässer anschließen, der das sehr deutlich formuliert hat: Es braucht eine zweite Runde, um eine Vertiefung und Verbreiterung der Aufarbeitung und ein anderes Miteinander zu organisieren.

Darüber wird sich die Brüdergemeinde http://brüdergemeinde-korntal.de nicht freuen. Und die Kirche auch nicht.

Ja, das mag so sein. Doch das Thema Korntal könnte die evangelische Kirche Deutschland schon bei ihrer nächsten Synode zum Thema Aufarbeitung beschäftigen. Denn Korntal ist in doppelter Hinsicht ein spezieller Tatort. Es ist einmal Teil der dunklen, der schauerlichen Geschichte der Heimerziehung, der bis heute nicht richtig aufgearbeitet ist …

… Professor Manfred Kappeler, der mit am Runden Tisch Heimerziehung saß, hat von 800 000 Jungen und Mädchen gesprochen, von Kindern und Jugendlichen, die über Jahrzehnte zwangserzogen wurden.

Korntal ist darüber hinaus aber auch die Geschichte einer pietistischen Ausprägung innerhalb der evangelischen Kirche in Deutschland. Es kommt, gerade bei einer pietistischen Gruppierung, der religiöse Aspekt dazu: Es wurde nicht nur geschlagen und mit Zwang gefüttert, sondern es wurde auch immer zwischendurch gebetet. Nicht zuletzt deswegen verdient dieser spezielle Ort einen zweiten Blick.

Betroffene Korntaler Heimkinder schilderten eindringlich, wie sie zu den Mahlzeiten immer ihr Becherle mit bunten Pillen bekamen. Welche Rolle spielt der Medikamentenmissbrauch in dieser zweiten Phase der Aufklärung?

Matthias Katsch hat den sexuellen Missbrauch im Berliner Canisiuskolleg öffentlich gemacht.
Matthias Katsch hat den sexuellen Missbrauch im Berliner Canisiuskolleg öffentlich gemacht.
Fotos: Joachim E. Röttgers

Die Folgen dieser medikamentösen Ruhigstellung für das Leben der Betroffenen wurden nicht ausreichend berücksichtigt. Und natürlich muss es Entschädigung geben. Anerkennungszahlungen sind schön und gut, das hat die katholische Kirche in Korntal auch gemacht. Aber erst Entschädigung hat eine Bedeutung. Nämlich die Erkenntnis: Wir haben etwas falsch gemacht und übernehmen die Verantwortung für die Folgen. Wie das zu finanzieren ist, das ist erst die zweite oder dritte Frage. Erstmal muss man zu der Erkenntnis kommen, als Gemeinschaft, als Institution müssen wir entschädigen für das, was wir falsch gemacht haben.

Neben Ihnen saßen auf dem Podium ExpertInnen, Betroffene und der weltliche Vorsteher der Brüdergemeinde, aber kein Vertreter der evangelischen Landeskirche. Ducken sich dort die Verantwortlichen weg?

Ich fürchte, manche in der evangelischen Kirche sind der Meinung, mit den bisherigen Aufklärungsversuchen in Ahrensberg …

… dort in Schleswig-Holstein hat ein Pastor und Religionslehrer in den 1970er- und 1980er-Jahren Mädchen und Jungen missbraucht …

… und Korntal ist das Thema erledigt, Haken dran. Dass das nicht so ist, hat die heutige Diskussion deutlich gemacht. Es ist gut, dass sich der weltliche Vorsteher der Brüdergemeinde, Herr Andersen, gestellt hat, das war nicht einfach. Ich empfinde es als einen Mangel an Respekt gegenüber den Heimkindern, dass kein Vertreter der Landeskirche anwesend war. Ohne das enorme Engagement der Betroffenen und ihrer Selbsthilfegruppen wäre bis heute noch nichts aufgearbeitet. Und die Betroffenen brauchen auch weiterhin Unterstützung für ihre Arbeit.

Gefragt wäre die evangelische Landeskirche auch beim Thema Werner Bitzer. Dem Korntaler Ex-Heimleiter, der vielen Betroffenen als schlagender, strafender Erzieher in Erinnerung ist, hat von der Diakonie Korntal, aber auch von der Diakonie der Landeskirche das Kronenkreuz in Gold verliehen bekommen. Warum haben die Brüdergemeinde und die evangelische Landeskirche diese Ehrungen nicht längst zurückgezogen?

Dass das noch nicht passiert ist, ist schwach, wenn in einem Aufarbeitungsprozess ein Täter glaubhaft identifiziert wurde. Da muss es dann ein Signal geben an den diakonischen Dachverband, diese Ehrung zurückzunehmen. Und ich würde mir auch wünschen, dass die Brüdergemeinde zusammen mit der Selbsthilfeinitiative Korntal gemeinsam einen Brief an das Bundespräsidialamt schreibt mit der Bitte, auch das Bundesverdienstkreuz rückgängig zu machen. Das geht. Und es wäre ein starkes Zeichen, wenn Brüdergemeinde und Selbsthilfegruppe das gemeinsam machen würden.

Sie sitzen seit Mai in der unabhängigen Aufklärungskommission. Die wollte die Eckpunkte einer Aufklärung im Herbst veröffentlichen. Wann ist es soweit?

Sie werden am 3. Dezember in Berlin vorgestellt.

Die evangelische Brüdergemeinde scheint da schneller zu sein. In einer Pressemitteilung vor wenigen Tagen wird die Aufarbeitung zwar nicht beendet. Doch das Korntaler Forum Aufarbeitung, so steht da zu lesen, habe bereits “konkrete Vorschläge für eine Standardisierung von Aufarbeitungsprozessen” an verantwortliche staatliche und kirchliche Stellen übermittelt. Ist das nicht etwas vermessen?

Ich finde es richtig, sich mit anderen darüber auszutauschen, welche Erfahrungen man gemacht hat und was man gelernt hat in dem bisherigen Aufarbeitungsprozess. Aber man darf die berechtigte Kritik von Betroffenen und ExpertInnen dabei nicht ignorieren. Ich bin sicher, der Prozess der Aufarbeitung wird die Brüdergemeinde ebenso weiterhin beschäftigen wie die Betroffenen, die mit den Folgen der Gewalt in ihrem Leben weiterleben müssen.

Herr Katsch, im Sommer haben Sie den Kulturpreis der Internationalen Paulusgesellschaft erhalten für Ihr fast zehnjähriges Engagement gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in der katholischen Kirche. Was bedeutet Ihnen dieser Preis?

Es freut mich besonders, weil diese Anerkennung aus dem Kreis der Leute kommt, die sich der Kirche verbunden fühlen, sie aber kritisch sehen. Das ist eine Anerkennung für das, was wir als Eckiger Tisch seit Jahren ehrenamtlich zu leisten versuchen.

Sie haben den sexuellen Missbrauch im Canisiuskolleg in Berlin öffentlich gemacht, seit fast zehn Jahren setzen Sie sich für die Aufklärung und die Betroffenen ein, auch hier in Korntal. Was treibt Sie an?

Was einen weitertreibt, ist die Genugtuung, dass wir etwas in Gang gebracht haben. Dass wir heute mehr Schutzkonzepte haben, dass es in der Kirche und in der Gesellschaft im Bereich sexueller Kindesmissbrauch mehr Engagement gibt, mehr Bewusstsein, mehr Schulung, mehr Aufmerksamkeit, auch wenn es für die Dimension des Problems noch lange nicht ausreicht. Was mich antreibt, ist vor allem das Schicksal von ganz vielen Menschen, die unter den Folgen von sexuellem Missbrauch bis heute leiden. Und die uns immer wieder schreiben und um Rat fragen. Wir am Eckigen Tisch oder die Selbsthilfegruppe Korntal machen diese Arbeit ehrenamtlich. Ich finde, es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, diese Gruppen zu unterstützen. Und das geht ganz klar an die Länder- und Bundesverantwortlichen.

Überlebender sexualisierter Gewalt: “Ich bin nicht der Feind der Kirche”

Silhouette einer jungen Frau vor einem Fenster.
© kaipong/iStockphoto/Getty Images
 Silhouette einer jungen Frau vor einem Fenster (Symbolbild).

Kirsten Fehrs hat auf der EKD-Synode 2018 eine Rede gehalten, die die Synodalen ergriffen hat. Sie und fünf weitere Kirchenleitende bekamen den Auftrag, ihren Elf-Punkte-Plan gegen sexualisierte Gewalt in der Evangelischen Kirche umzusetzen. Was ist daraus geworden?

04.11.2019 Lilith Becker http://evangelisch.de

Sechs Menschen aus hohen Positionen in Landeskirchen und aus der Diakonie bilden seit der EKD-Synode 2018 den Beauftragtenrat, der sich mit sexualisierter Gewalt im Umfeld der Kirche beschäftigen soll. Im Juni 2019 traten sie zum ersten Mal gemeinsam im Kirchenamt der EKD in Hannover auf. Kirsten Fehrs, die Sprecherin des Rates ist, war stolz, dass sie einen Flyer präsentieren konnte. “.help” – eine Anlaufstelle für Betroffene sexualisierter Gewalt

Kerstin Claus, aus dem Betroffenenrat des Unabhängigen Beauftagten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauch (UBSKM), war auch auf diese Pressekonferenz geladen. Sie stand vor der versammelten Presse und sagte, sie sehe diesen Flyer zum ersten Mal. Betroffene seien in die Ausgestaltung der Anlaufstelle für Betroffene nicht einbezogen worden, sagte sie.

So hatte der EKD-Beauftragtenrat in diesem Fall zwar eine Aufgabe seines 11-Punkte-Handlungsplanes erfüllt – eine andere jedoch verfehlt: Betroffene bei den anfallenden Prozessen zu beteiligen. Ein gutes Zeichen ist jedoch sicher, dass mehrere Betroffene zur kommenden EKD-Synode 2019 nach Dresden eingeladen sind. Dass die Beteiligung Betroffener nicht nur eine Frage des guten Stils ist, zeigen die Anrufe, die Detlev Zander bekommt.

Detlev Zander, der Überlebender der dramatischen Kinderschändungen im Kinderheim der evangelischen http://brüdergemeinde-korntal.de Brüdergemeinde Korntal ist, hat Anrufe von Betroffenen bekommen, die diese “Zentrale Anlaufstelle.help” kontaktiert haben.

Einem epd-Bericht zufolge haben sich seit Juli 2019 dort 150 Menschen gemeldet. “Was passiert mit unseren Geschichten?”, das fragten die Betroffenen Detlev Zander, und: “Warum werde ich lediglich an die jeweilig zuständige Stelle der Landeskirche verwiesen, in der mir der Missbrauch angetan wurde? Das möchte ich doch gar nicht.” Detlev Zander und Kerstin Claus sind beide nicht überzeugt von dieser Anlaufstelle. Detlev Zander hat sogar den Eindruck, dass diese Menschen sich teilweise auch nicht wieder melden werden.

Foto: privat
Detlev Zander ist Überlebender der Kinderschändungen im Kinderheim der evangelischen Brüdergemeinde Korntal. Zehn Jahre lang vergewaltigten und misshandelten ihn ein Hausmeister, ein Pfarrer und ein Gemeindemitglied. Die württembergische Landeskirche unterstützt das Kinderheim in Korntal finanziell.

“Viele Überlebende sind infolge schweren Missbrauchs unfähig ein normales Leben zu führen: Sie leiden unter Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS), haben Persönlichkeitsstörungen, sind arbeitslos”, viele seien deshalb so geschwächt, dass sie nicht die Kraft hätten, für ihr Recht auf Entschädigung einzustehen.

Nicht jedes Opfer könne also reflektiert mit seiner Situation umgehen. Viele Betroffene seien sauer und böse. Die EKD müsse diese Wut aushalten können. “Die Opfer fühlen sich wie Müll. Mit uns will man eigentlich gar nichts zu tun haben. Wir sind zum Teil gar nicht gläubig, aber auch, weil sie uns die Religion weggenommen hat. Viele haben Angst, dass sie kein richtiges Begräbnis bekommen”, sagt Detlev Zander. Er selbst sagt, dass er an Gott glaubt. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, für diese Menschen, die es nicht selbst schaffen, den Weg zu ebnen. Es soll einen EKD-Betroffenenrat geben, für den möchte sich Detlev Zander bewerben.

Zanders Vorschlag für die Anlaufstelle: Psychologen und Juristen müssten die Geschichten der Anrufenden gleich anonym aufnehmen. Schließlich sind weitere Punkte des Handlungsplanes, in wissenschaftlichen Studien herauszufinden, was den Überlebenden von sexualisierter Gewalt in der Kirche angetan wurde und wer diese Menschen sind. Dafür hat das Universitäts-Klinikum Hamburg Eppendorf bereits den Auftrag bekommen.

Rotes Tuch: Entschädigungsleistungen

Kerstin Claus, die als Vertreterin des Betroffenenrates des UBSKM auf der EKD-Synode eine Rede halten wird, ist zudem der Ansicht, dass der Punkt “Individuelle Aufarbeitung” des Handlungsplanes einen erheblichen Nachholbedarf hat. In diesem Punkt ist von materieller und immaterieller Anerkennungsleistung die Rede, die die Landeskirchen erarbeiten müssten. Die Evangelische Kirche scheut sich bisher, im Gegensatz zur katholischen, das Thema Entschädigungszahlungen an Betroffene, überhaupt auf ihre Agenda zu nehmen.

Bisher gewähren die Landeskirchen selbst, teilweise über ihre “Unabhängigen Kommissionen”, einen einmaligen Betrag X, wenn sie die Geschichten Betroffener anerkennen. Eine Regelung, wie sie das staatliche Opfer-Entschädigungs-Gesetz hat, beispielsweise mit einer monatlichen Rente, scheut die Evangelische Kirche allerdings. Nach Berichten aus der katholischen Kirche über die mutmaßliche Höhe der Beträge, ist eine Diskussion darüber bisher ein rotes Tuch für EKD und Landeskirchen – jede Landeskirche sei eben selbst dafür in ihren diskreten Verfahren zuständig.

Sowohl Kerstin Claus und Detlev Zander, als auch eine Initiative Betroffener aus Ahrensburg fordert, dass sich die EKD und ihre Landeskirchen dem Thema Entschädigungsleistungen endlich stellen.

Auch die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung Sexuellen Kindesmissbrauchs hat auf Nachfrage von evangelisch.de eine klare Position zur finanziellen Entschädigung von Betroffenen: “Aus unserer Sicht gehört es zu Aufarbeitungsprozessen in Institutionen und zur Verantwortungsübernahme durch eine Institution, dass Entschädigungszahlungen gemeinsam mit den Betroffenen ausgehandelt werden”, sagt die Vorsitzende Sabine Andresen. Sie begrüßt, dass die EKD-Synode sich weiter mit der Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs beschäftigt. “Wo die evangelische Kirche damit in 2019 steht, gilt es auch gemeinsam mit betroffenen Menschen zu reflektieren. Diesem Austausch sollte sich die EKD stellen.”

“Bitte melden Sie sich!”, hatte Kirsten Fehrs in ihrer Rede gesagt. Nach den Erzählungen Detlev Zanders und der Initative Betroffener in Ahrensburg, ist das bisher alles andere als erfreulich innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland. “Ich bin es leid, dass ich hingestellt werde, als sei ich ein Feind. Das bin ich nicht: ich möchte was für die Opfer erreichen. Ich bin gläubig”, sagt Detlev Zander, der seinen Konfirmationsspruch “Einer trage des anderen Last” (Galater 6,2), zu seinem neuen Credo auserkoren hat.

Auf der Synode wird es auf Wunsch von Kerstin Claus aus dem Betroffenenrat des UBSKM zehn Workshops für die Synodalen geben.  Sie wollte, dass es nicht nur erstmalig einen Redebeitrag einer Betroffenen geben sollte, sondern die Synodalen sich in Workshops mit verschiedenen Aspekten sexualisierter Gewalt und deren Folgen für Betroffene auseinandersetzen. Auch Detlev Zander wird bei einem dieser Workshops dabei sein. Er hofft, dass er die Gelegenheit hat, den Synodalen ins Gewissen zu reden – und damit echtes Verständnis erfährt.

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Tagung in Hannover -EKD will Missbrauch aufklären

Detlev Zander
Quelle ZDF
Die Evangelische Kirche in Deutschland und die Landeskirchen stehen am Anfang der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen. Sie versprechen bundesweite Studien und mehr Aufklärung. Bisher hätten sich 600 Missbrauchsopfer gemeldet.

https://www.zdf.de/nachrichten/heute/ekd-tagung-zu-missbrauch-in-evangelischer-kirche-100.html

Eigentlich wäre Detlev Zander heute gar nicht dabei gewesen, beim Expertenfachtag der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs. Auch zum Pressegespräch in Hannover waren ursprünglich nur Wissenschaftler und evangelische Kleriker eingeladen. “Ich habe darum gekämpft, dass man mich hier einlädt”, erzählt Zander, der in der evangelisch-pietistischen Brüdergemeinde Korntal in Baden-Württemberg als Kind missbraucht worden ist. Zander ist heute 58 Jahre und berichtet von Vergewaltigungen durch den damaligen Korntaler Pfarrer und den Hausmeister. Erzieherinnen und Erzieher hätten den Teufel aus ihm austreiben wollen und ihn und andere Kinder gezwungen, Erbrochenes zu essen.

Zehn Jahre Qualen

Ich verlange von der EKD, dass wir Betroffenenvertreter bei allen wichtigen Entscheidungen, bei allen Sitzungen inklusive Prävention mit anwesend sind.
Detlev Zander, Missbrauchsopfer

ZDF

Sein Martyrium begann im Alter von vier Jahren, erinnert er sich, und dauerte, bis er 14 war. Die Kirche hat ihn mittlerweile als Opfer anerkannt, die Brüdergemeinde zahlte ihm 20.000 Euro. Nach Hannover ist Zander mit einer Forderung gekommen: “Die EKD schreibt sich ja immer so groß die Betroffenen-Beteiligung auf die Fahne”, sagt er. Als Feigenblatt wolle er allerdings nicht herhalten. “Ich verlange von der EKD, dass wir Betroffenenvertreter bei allen wichtigen Entscheidungen, bei allen Sitzungen inklusive Prävention mit anwesend sind.”

Im November 2018 verabschiedete die EKD-Synode in Würzburg einen Elf-Punkte-Plan zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt. Unter Punkt eins heißt es: “Betroffene sind zu beteiligen, ihre Erfahrung wird gebraucht bei allem, was im Bereich Aufarbeitung und Prävention neu auf den Weg gebracht wird.”  

Auch Kerstin Claus war zunächst nicht zum Pressegespräch in Hannover geladen. Claus, die mit 14 Jahren in einem evangelischen Internat in Bayern missbraucht worden ist, hält regelmäßig Vorträge über Prävention und sitzt im Betroffenenrat beim Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig. Sie habe erst vergangenen Mittwoch von dem Pressegespräch erfahren, sagt sie. In einer Hau-Ruck-Aktion wurde sie von der EKD eingeladen. Wegen des großen Medieninteresses sei sie gebeten worden, auf dem Podium als Betroffene zu sprechen. Für sie sei klar, “dass die EKD und die Landeskirchen in den Anfängen von Aufarbeitung stehen” und aus ihrer Sicht “das Thema zwischen 2010 und 2018 tatsächlich ein Stück weit verschlafen haben”.

EKD: 600 Opfer haben sich bisher gemeldet

Claus steht bei der Pressekonferenz der EKD in Hannover neben Bischöfin Kirsten Fehrs, diese ist die Sprecherin des Beauftragtenrates der EKD zum Schutz vor sexualisierter Gewalt. Fehr spricht von “Verantwortung und Aufklärung” und kündigt eine unabhängige, zentrale Anlaufstelle für Opfer sexualisierter Gewalt der EKD und Diakonie namens “help” an. Die EKD habe den unabhängig arbeitenden Verein “Pfiffigunde” aus Heilbronn damit beauftragt, fügte Fehrs hinzu. Die Arbeit der Anlaufstelle solle am 1. Juli diesen Jahres beginnen.

Hohe Dunkelziffer

Sexueller Missbrauch in der Kirche
Neue Regeln, alter Zwist- Kirche bleibt beim Thema Missbrauch gespalten

In der katholischen Kirche wurden nach einer Missbrauchsstudie, die im vergangenen September veröffentlicht wurde, zwischen 1946 und 2014 insgesamt 3.677 Kinder und Jugendliche Opfer sexuellen Missbrauchs. Es gab demnach Hinweise auf 1.670 beschuldigte Geistliche. Wissenschaftler gehen allerdings von einer Dunkelziffer von mehr als 100.000 Opfern aus. In der Zentralen Koordinierungsstelle der Deutschen Bischofskonferenz seien rund 1.900 Anträge für Anerkennungsleistungen gestellt worden, teilte der katholische Missbrauchsbeauftragte, Bischof Stefan Ackermann, im März mit. Insgesamt seien bislang neun Millionen Euro an Betroffene ausgezahlt worden.

Ursula Enders, http://zartbitter.de Erziehungswissenschaftlerin und Traumatherapeutin, forscht seit vielen Jahren zum Thema Missbrauch in der evangelischen Kirche. Sie hat am Aufklärungsbericht zur Nordkirche, den Missbrauchsfällen in Ahrensburg, wesentlich mitgearbeitet. Die evangelische Kirche sei “weit hinter der katholischen Kirche zurück”, sagt Enders. Sie ist der festen Überzeugung: “Es gibt in der evangelischen Kirche sicherlich genauso viele Missbrauchsfälle wie in der katholischen.”

Es gibt in der evangelischen Kirche sicherlich genauso viele Missbrauchsfälle wie in der katholischen.
Traumatherapeutin Ursula Enders

Uruala Enders

Expertin: Machtmissbrauch ist Grund und nicht Triebstau

Auch in der evangelischen Kirche gebe es strukturelle Ursachen, die Kindesmissbrauch begünstigten. Schuld sei vor allem das Selbstverständnis der evangelischen Kirche: “Die Kirche glaubt, sie sei sehr fortschrittlich, sie gibt sich ein solches Image und unter diesem Deckmantel der Fortschrittlichkeit findet dann sexueller Missbrauch statt.” Es sei zu einer regelrechten Wahrnehmungsblockade gekommen, gerade weil man sich von der katholischen Kirche als liberal, eher links gerichtet abgrenzen wollte.

Die Annahme, am sexuellen Missbrauch durch Pfarrer sei allein der katholische Zölibat schuld, sei allerdings ein Mythos, erklärt Enders: “Die evangelische Kirche glaubt, dass sie verheiratete Theologen und Theologinnen hat, die keinen Bedarf haben. Aber wir wissen, dass es Machtmissbrauch ist und nicht auf einen Triebstau zurückzuführen ist.”

300.000 Euro Entschädigung gefordert

Die Wissenschaftlerin fordert eine unabhängige Aufarbeitung, die sich nicht nur am Interesse der Institution Kirche orientiere, die allein im Sinn habe, ihren Ruf wiederherzustellen. Wichtig sei eine Aufarbeitung im Sinne der Betroffenen: “Das heißt, Entschädigungen in einem Umfang, der dem entspricht, dass viele Betroffene heute berufsunfähig sind”, sagt Enders. Das Leid der Betroffenen müsse öffentlich gewürdigt werden.

Unlängst forderte Matthias Katsch, Sprecher der katholischen Opfervereinigung http://www.eckiger-tisch.de/“Eckiger Tisch” 300.000 Euro für jedes Opfer sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche. Dieser Forderung schließt sich Detlev Zander an. Es gehe ihm nicht allein ums Geld, es gehe um eine echte Anerkennung des erlittenen Leids. “Dieses Leid, das ich und andere erfahren haben, ist so widerwärtig und so brutal, das kann man nicht entschuldigen”, sagt Zander. Er selbst fühle sich heute nicht mehr als Opfer, sagt er. Denn heute sei er frei, öffentlich über sein Leid zu sprechen und für eine angemessene Entschädigung zu kämpfen.

Dieses Leid, das ich und andere erfahren haben, ist so widerwärtig und so brutal, das kann man nicht entschuldigen.
Detlev Zander

Missbrauchsskandal in der Brüdergemeinde Korntal

Quelle Bild: google

Eine Gemeinde, wie die http://brüdergemeinde-korntal.de Brüdergemeinde Korntal, die minderjährige Opfer nicht vor sexuellen Übergriffen geschützt hat, und auch noch Täter gedeckt hat, hat aufgehört, Kirche und Gemeinde zu sein. Sichtlich kann die Gemeinde auch deswegen nicht mehr mit dem Kern ihrer kirchlichen und christlichen Existenz überzeugen, mit der Verkündigung von Gottes unendlicher Liebe zu uns Menschen in Jesus Christus.

Detlev Zander

EKD-Synode befasst sich mit Frieden und Missbrauchsproblematik

04.11.2019 http://epd.de

Berlin (epd). Auf der diesjährigen Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sollen das Thema Frieden und der Umgang der Kirche mit der Missbrauchsproblematik im Mittelpunkt stehen. Die Präses der EKD-Synode, Irmgard Schwaetzer, sagte am Montag in Berlin, denkbar sei aber auch, dass die Teilnehmer nach dem Rücktritt des sächsischen Landesbischofs Carsten Rentzing über rechte Tendenzen in Kirche und Gesellschaft sprechen wollten. Auf der Tagesordnung stehe das Thema aber nicht.

Schwaetzer verwies darauf, dass sich die sächsische Landessynode, die wenige Tage nach der EKD-Synode stattfindet, intensiv mit dem Thema beschäftigen werde. Hintergrund sind von Rentzing als Student verfasste Texte, die das Landeskirchenamt als “elitär, in Teilen nationalistisch und demokratiefeindlich” eingestuft hatte. Sie waren am 12. Oktober, einen Tag nach seinem Rücktritt, öffentlich bekanntgeworden.

Die Synode kommt vom 10. bis 13. November zu ihrer Jahrestagung in Dresden zusammen. Unter dem Leitwort “Auf dem Weg zu einer Kirche der Gerechtigkeit und des Friedens” soll über ethische Fragen angesichts neuer Formen der Kriegsführung gesprochen werden und über den sozialen Frieden im eigenen Land.

Auf der Tagesordnung stehen außerdem die Beteiligung junger Menschen, Haushaltsberatungen und sexualisierte Gewalt in der Kirche. Der von der EKD vor gut einem Jahr eingesetzte Beauftragtenrat wird dem Plenum darüber Bericht erstatten, was seit der letzten Synodentagung im November 2018 im Kampf gegen Missbrauch geschehen ist. Außerdem werden der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig und Betroffene als Redner erwartet. https://beauftragter-missbrauch.de/

Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs Johannes-Wilhelm Rörig
Johannes-Wilhelm Rörig
© Christine Fenzl

Die Synode ist das Parlament der EKD. Die 120 Mitglieder werden für eine Amtszeit von sechs Jahren von den Landeskirchen entsandt und durch den Rat der EKD berufen. Sie beschließen den Haushalt der EKD und Gesetze, die die Organisation der Institution betreffen.

Gewalt in Kinderheimen in Baden-Württemberg Heimkinder mussten Urin trinken

Der Missbrauchsskandal in der Brüdergemeinde Korntal ist in diesem Kontext zur Zeit einer der größten öffentliche Skandal in der Evangelischen Kirche Deutschland http://ekd.de

Carola Fuchs,  17.10.2018 – 17:24 Uhr https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.gewalt-in-kinderheimen-im-land-heimkinder-mussten-urin-trinken.f1bb230b-1e6a-4451-bbee-8b62813c4382.html

Zwangsarbeit, Drill und Gewalt waren früher in den Kinderheimen im Land an der Tagesordnung. Foto: Archiv Verein ehemaliger Heimkinder e.V. - VEH
Zwangsarbeit, Drill und Gewalt waren früher in den Kinderheimen im Land an der Tagesordnung. Foto: Archiv Verein ehemaliger Heimkinder e.V. – VEH

Das Landesarchiv Baden-Württemberg hat Missstände und Missbrauch in Kinderheimen in der Nachkriegszeit aufgearbeitet. Was die Dokumentation zutage fördert, ist erschütternd.

Stuttgart – Wir können einmal angetanes Leid nicht rückgängig machen“, sagt Sozialminister Manne Lucha (Grüne) über die nicht selten schlimmen Schicksale von Heimkindern in der Nachkriegszeit. Das Mindeste sei aber, die Missstände aufzuklären und zu benennen. „Ich entschuldige mich bei den Betroffenen“, sagte Lucha am Mittwoch bei der Vorstellung einer Studie des Landesarchivs Baden-Württemberg zur Geschichte der Heimerziehung in der Zeit von 1949 bis 1975.

Vieles aus der Studie lasse ihn fassungslos zurück. Zurzeit leben etwa 6500 Kinder im Land in Heimen, hinzu kommen unbegleitete Flüchtlingskinder. Fast 4400 waren es Ende­ 2016; neuere Zahlen gibt es nicht. „Um die Schutzfunktion des Staates muss man jeden Tag ringen“, sagte Lucha, auch mit Verweis auf den schweren Missbrauchsfall von Staufen.

Aufwändige Recherche zur Aufarbeitung der Vergangenheit

Bei einer Fachtagung mit 100 Teilnehmern aus dem In- und Ausland ist die Dokumentation­ nun vorgestellt worden. Die Projektstelle Heimerziehung in Baden-Württemberg war 2012 beim Landesarchiv eingerichtet worden als Reaktion auf die Arbeit des bundesweiten Runden Tisches Heimerziehung 2010. In den sechs Jahren haben die Archivmitarbeiter 1767 ehemalige Heimkinder bei der Spurensuche in ihrer Vergangenheit beraten, begleitet und unterstützt. 1444 davon bekamen eine Entschädigung aus dem Hilfsfonds. Das Team hat verstreutes Archivmaterial über die Kinderheime im Land zusammengetragen und gesichtet. Das Material wurde dann für die Betroffenen zugänglich gemacht. Teilweise waren die Betroffenen über Monate hinweg in Kontakt mit dem Projektteam.

Die Archivare konnten schließlich mehr als zwei Drittel der Ratsuchenden mit personenbezogenen Daten helfen. Zu den zehn am meisten nachgefragten Kinderheimen gehörten das Flattichhaus und das Hoffmannhaus in Korntal-Münchingen (Kreis Ludwigsburg), der http://brüdergemeinde-korntal.de das Kinderheim auf der Karlshöhe Ludwigsburg und das Landesjugendheim Schönbühl in Weinstadt (Rems-Murr-Kreis). Auf dem Schönbühl muss es so schlimm gewesen sein, dass die Kinder 1929 sogar den Aufstand probten.

Gewalt war an der Tagesordnung

Schwere körperliche, sexualisierte und psychische Gewalt war demnach in vielen Einrichtungen an der Tagesordnung. „Vieles war bekannt“, sagte Nora Wohlfarth vom Projektteam. In fast jeder dritten gesichteten Aufsichtsakte fanden sich klare Hinweise auf Missstände. In Honau etwa bekamen die Zöglinge nichts zu trinken, damit sie nicht ins Bett machten. In der Not tranken sie ihren eigenen Urin. In Lahr wurden Kinder „wie Tiere behandelt“. In Waiblingen wurden Zöglinge „zur Strafe in eiskaltes Wasser getaucht“, in Lichtenstein klebte man Kindern den Mund zu. Das war aktenkundig. Und der Staat schaute zu.

Als 1956 in Ellwangen ein Kind im Heim zu Tode geprügelt wurde, erging lediglich ein Hinweis des damaligen Innenministers, man möge doch mehr Sorgfalt walten lassen bei der Personalauswahl. Es musste viel passieren, bis ein Heim geschlossen wurde wie in Freudenstadt 1957. Innerhalb eines Jahres waren dort in einem Heim fünf von 24 Kindern an Unterernährung gestorben. Damals waren Kontrollen noch nicht Pflicht. Das änderte sich erst 1961 mit dem Jugendwohlfahrtsgesetz. Bis 1973 dauerte es, bis körperliches Züchtigen verboten wurde.

Betroffene werden abgebürstet

Viele ehemalige Heimkinder seien traumatisiert bis heute, auch das ist ein Ergebnis der Studie. Und die Demütigungen gehen weiter. Wenn das Landesarchiv bei Einrichtungen, Ämtern oder Behörden nach Akten fragte, bekam es meist problemlos Auskunft, heißt es in der Dokumentation. Baten Betroffene um Einsicht in ihre eigene Geschichte, wurden sie hingegen häufig abgebürstet.

Andreas Blume ist eines der 1767 Heimkinder, die sich auf die Spurensuche begeben haben. Leichtgefallen ist das dem 55-jährigen IT-Spezialisten nicht. Drei Jahre hatte er als Bub in einem Heim verbracht und die Erinnerung an die schweren körperlichen und psychischen Misshandlungen dann komplett verdrängt. Nach 35 Jahren begann sein Körper sich zu erinnern – ungebeten, wie er bitter anmerkt: Er habe die Erinnerung nicht vermisst.

„Heimkind ist kein Stigma mehr“

Blume wandte sich an das Landesarchiv. Und die Projektstelle wurde tatsächlich fündig. Laut Akte beziehungsweise einem Gutachten war er vor seiner Einweisung ein sehr kontaktfreudiger, aufgeweckter und intelligenter Junge. Nach anderthalb Jahren im Heim – auch das ist dokumentiert – war der Bub wie ausgewechselt. Er sei schlecht in der Schule und habe jedes Selbstvertrauen verloren, heißt es in der Akte. Die Recherche sei ein schmerzhafter Prozess gewesen, aber ein lohnenswerter. Ein Heimkind gewesen zu sein „ist für mich kein Stigma mehr“, bilanziert Andreas Blume. Er habe trotz großer Widrigkeiten etwas aus sich gemacht: „Und das kann ich jetzt sogar belegen.“

Das Projektteam hat eine Wanderausstellung zur Heimerziehung im Land erarbeitet­, die bis 23. November im Theodor-Rothschild-Haus Esslingen zu sehen ist. Hinweise zur Recherche finden Betroffene unter www.landesarchiv-bw.de/web/61041

Brüdergemeinde Korntal

Missbrauchsskandal

Pressemitteilung vom 31.10.2019

Aufarbeitung von Missbrauch in Korntal dauert an

Das erweiterte Präventions- und Schutzkonzept ist implementiert, die Errichtung einer Erinnerungsskulptur und eine öffentliche Podiumsdiskussion sind in Planung

(Korntal, 31.10.2019Der Prozess zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in Kinderheimen der Evangelischen Brüdergemeinde in Korntal und Wilhelmsdorf in den 1950er bis 1980er Jahren hat mit der Veröffentlichung des Aufklärungsberichts im Juni 2018 ein wichtiges Ziel erreicht. Ein erweitertes Präventions- und Schutzkonzept wurde 2018 und 2019 in allen Einrichtungen der Diakonie und der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal implementiert. Bis zum 30. Juni 2020 will die Diakonie der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal eine angemessene Form der Erinnerung an das Geschehene sowie der Mahnung und des Eintretens gegen jegliche Form von Missbrauch für die Zukunft sichtbar werden lassen. Eine öffentliche Podiumsdiskussion soll die Einordnung des Korntaler Aufarbeitungsprozesses in die aktuelle gesellschaftliche Debatte um Schutz und Prävention von Missbrauch anregen und Impulse für die Standardisierung künftiger Aufarbeitungsprozesse geben.

Bis zum 30. Juni 2020 haben von Missbrauch betroffene ehemalige Heimkinder aus Korntal und Wilhelmsdorf die Möglichkeit, sich bei der Aufklärerin Frau Dr. Brigitte Baums-Stammberger zu melden und ein Interview mit ihr zu führen sowie Anträge auf Anerkennungsleistungen zu stellen. Mit dieser Entscheidung hatten die Verantwortlichen der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal und ihrer Diakonie bewusst nicht die Veröffentlichung des Aufklärungsberichts Mitte 2018 als Schlusspunkt des Aufarbeitungsprozesses gesetzt, sondern für Betroffene die Gelegenheit geschaffen, bis Mitte 2020 ein Gespräch mit Frau Dr. Baums-Stammberger führen und Anerkennungsleistungen beantragen zu können.

Prävention und Schutz stehen an erster Stelle

„Niemals wieder!“ haben die Verantwortlichen der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal und ihrer Diakonie im Rahmen des Aufarbeitungsprozesses geäußert. Deshalb haben sie dafür gesorgt, dass das bestehende Präventions- und Schutzkonzept überarbeitet und in einer erweiterten Fassung auf alle Arbeitsbereiche von Diakonie und Brüdergemeinde angewandt wurde. Neben den hauptamtlich Beschäftigten wurden auch alle Ehrenamtlichen einbezogen. Die Implementierung ist inzwischen abgeschlossen. Regelmäßige Schulungen und Workshops sollen dazu beitragen, dass Prävention und Schutz als dauerhaftes Thema verankert bleibt und gelebt wird. Unterstützt wird dieser permanente Entwicklungs- und Verbesserungsprozess durch externe Auditierungen, die eine kontinuierliche Prozessqualität ergänzen und sicherstellen.

„Wir lernen, damit zu leben“

Für Klaus Andersen, weltlicher Vorsteher der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal, ist die Aufarbeitung von Missbrauch in den Kinderheimen der Evangelischen Brüdergemeinde in Korntal und Wilhelmsdorf weder mit der Veröffentlichung des Aufklärungsberichts Mitte 2018 noch mit der Interviewphase Mitte 2020 zu Ende. „Im Brüdergemeinde-Jubiläumsjahr 2019 haben wir uns in vielen Führungen durch die historische Ausstellung im neuen ZEIT.Raum zahlreichen Fragen zur Aufarbeitung von Missbrauch in unseren Kinderheimen gestellt. Auf Infotafeln und in persönlichen Begegnungen mit Besucherinnen und Besuchern konnten wir ausführlich darüber informieren. Auch über das Jubiläumsjahr hinaus bleibt das Thema Missbrauch und Aufarbeitung in unserer Gemeinde und Diakonie präsent – wir lernen, damit zu leben.“

Erinnerungskultur nimmt Formen an – Einbindung von Betroffenen ist Ziel

Betroffene hatten im Verlauf des Aufarbeitungsprozesses den Wunsch geäußert, in einer angemessenen Form der Vorkommnisse in Korntal und Wilhelmsdorf zu gedenken. Die Evangelische Brüdergemeinde und ihre Diakonie hatten es von Anfang als ihr Anliegen formuliert, mit Betroffenen in einem partizipativen Prozess über geeignete Wege der Erinnerung im Gespräch zu sein und sie an der Suche nach Möglichkeiten zur Umsetzung zu beteiligen.

Für die Entwicklung einer Erinnerungskultur hat die Diakonie der Evangelischen Brüdergemeinde die Initiative ergriffen. Veit-Michael Glatzle, Geschäftsführer der Diakonie der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal, sagt dazu: „Eine adäquate Gedenkkultur soll an unsere schmerzhafte Geschichte erinnern, zu der wir uns bekennen und für die wir um Vergebung gebeten haben. Gleichzeitig soll sie die Erwartung ausdrücken, dass sich Ähnliches nie wieder unter uns ereignet. Wie dies konkret umgesetzt werden kann, wollen wir im Austausch mit Betroffenen gemeinsam bewegen.“

Anfang 2020 soll die Projektidee einer Erinnerungsskulptur Betroffenen und am Korntaler Aufarbeitungsprozess Beteiligten vorgestellt werden. „Von einer solchen Form der Erinnerung erhoffen wir, dass sie sichtbarer Ausdruck der Mahnung für das Geschehene ist“, sagt Veit-Michael Glatzle. „Gleichzeitig soll sie für jegliche Art von Missbrauch sensibilisieren. Dadurch soll sie ein Bewusstsein schaffen, das zu aktivem Engagement gegen jegliche Art von Missbrauch anspornt und dazu beiträgt, dass sich Ähnliches nie wieder ereignet.“ Die Enthüllung der Erinnerungsskulptur ist für Mitte 2020 vorgesehen.

Erfahrungsaustausch mit aufarbeitenden Institutionen

Im ersten Halbjahr 2020 soll auch das vierte „Korntaler Forum Aufarbeitung“ stattfinden. Es bietet Leitern von Institutionen die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch darüber, wie sie in ihren Organisationen angemessen Verantwortung für die Initiierung und Durchführung eines partizipativen Aufarbeitungsprozesses übernehmen können. Dank der Erfahrung von Fachkräften, die sich der Herausforderung einer institutionellen Aufarbeitung bereits gestellt haben, sowie durch Erkenntnisse aus bisherigen Aufarbeitungsprojekten können im „Korntaler Forum Aufarbeitung“ spezifische Fragestellungen erörtert, Hilfestellung bei der Umsetzung konkreter Schritte in Aufarbeitungsprozessen gegeben und Anregungen für weitere Aufarbeitungsprozesse entwickelt werden.

Klaus Andersen http://Brüdergemeinde-korntal.de hofft, „dass die Ergebnisse unserer Gespräche im „Korntaler Forum Aufarbeitung“ auch zur institutionellen Aufarbeitung der Evangelischen Kirche in Deutschland und ihrer Diakonie und anderer christlichen Konfessionen und Kirchen sowie zur Weiterentwicklung gesellschaftlich relevanter Wege für die Aufarbeitung von Missbrauch beitragen.“ So hat das „Korntaler Forum Aufarbeitung“ bereits konkrete Vorschläge für eine Standardisierung von Aufarbeitungsprozessen an verantwortliche staatliche und kirchliche Stellen übermittelt.

„Im Dialog bleiben“

Zum Ende der Interviewphase im Korntaler Aufklärungsprozess planen die Verantwortlichen der Evangelischen Brüdergemeinde und ihrer Diakonie für Mitte 2020 eine öffentliche Podiumsdiskussion. Im Fokus soll der Austausch verschiedener Anspruchsgruppen des Aufarbeitungsprozesses stehen. Gleichzeitig sollen die Ergebnisse der Podiumsdiskussion einen konstruktiven Beitrag für den gesellschaftlichen Diskurs zum Umgang mit der Aufklärung und der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen leisten. Klaus Andersen sagt dazu: „Uns ist wichtig, auch über unsere eigene Aufklärungsarbeit hinaus mit Betroffenen wie mit anderen Institutionen im Dialog zu bleiben. Nur wenn wir einander zuhören und voneinander lernen, können wir uns bestmöglich für den Schutz von Kindern und Jugendlichen einsetzen.“


Die Evangelische Brüdergemeinde Korntal

wurde 1819 gegründet und ist als selbstständige evangelische Gemeinde vertraglich mit der Evangelischen Landeskirche in Württemberg verbunden. Die 1823 gegründete Diakonie der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal unterhält Einrichtungen der Alten- und Jugendhilfe, Kindertagesstätten, einen Schulbauernhof, offene Betreuungsangebote und Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) für Kinder und Jugendliche. Hauptstandorte sind Korntal bei Stuttgart und Wilhelmsdorf im Kreis Ravensburg.

Geistlicher Vorsteher Evangelische Brüdergemeinde Korntal: Pfarrer Jochen Hägele                                                      

Weltlicher Vorsteher Evangelische Brüdergemeinde Korntal/Vorsitzender Diakonierat: Klaus Andersen                      

Geschäftsführer Diakonie der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal: Veit-Michael Glatzle

Kontakt

Diakonie der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal
gemeinnützige GmbH

Pressestelle
Saalplatz 1, 70825 Korntal-Münchingen
presse@diakonie-bgk.de
T: 0711.839877-0
www.diakonie-korntal.de

Gerd Sander (Pressesprecher)
M: 0163.7442222
g.sander@diakonie-bgk.de

Brüdergemeinde Korntal

Sexuelle Gewalt unter dem Dach der Brüdergemeinde Korntal

TREFFEN DER EHEMALIGEN HEIMKINDER DER BRÜDERGEMEINDE KORNTAL

Missbrauchsopfer fordern finanzielle Entschädigung

Die Diskussion um die Missbrauchsfälle in den Kinderheimen der Brüdergemeinde Korntal (Kreis Ludwigsburg) geht weiter. Am Sonntag hatten die Opfer zum Podiumsgespräch nach Stuttgart eingeladen.aus der Sendung vomSo, 3.11.2019 19:45 Uhr, SWR Aktuell Baden-Württemberg, SWR Fernsehen BW https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/Missbrauch-in-der-Bruedergemeinde-Korntal-Aufarbeitung-aus-eigener-Kraft,av-o1168355-100.html

Sollte die http://Brüdergemeinde-Korntal.de die Entschädigungszahlungen alleine leisten, schließt Klaus Andersen Vorsteher der Gemeinde eine Insolvenz nicht aus.