Katholiken und Evangelikale kritisieren Entscheidung

„Ehe für alle“
30. Juni 2017

Katholiken und Evangelikale kritisieren Entscheidung

Der Deutsche Bundestag hat am 30. Juni in Berlin mit großer Mehrheit die „Ehe für alle“ beschlossen. Für den Gesetzentwurf stimmten 393 Abgeordnete, dagegen 226; es gab vier Enthaltungen. Foto: picture-alliance/NurPhoto

Der Deutsche Bundestag hat am 30. Juni in Berlin mit großer Mehrheit die „Ehe für alle“ beschlossen. Für den Gesetzentwurf stimmten 393 Abgeordnete, dagegen 226; es gab vier Enthaltungen. Foto: picture-alliance/NurPhoto

Berlin (idea) – Der Bundestag hat am 30. Juni mit großer Mehrheit die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Partnerschaften – die sogenannte „Ehe für alle“ – beschlossen. Bei den theologisch konservativen Protestanten – den Evangelikalen – und der römisch-katholischen Kirche stößt die Entscheidung auf Kritik. Der Evangelische Gnadauer Gemeinschaftsverband (Vereinigung Landeskirchlicher Gemeinschaften) teilte auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea mit, dass er als evangelikale Vereinigung „das Institut der Ehe auf die Gemeinschaft von Mann und Frau“ begrenzt sehe und eine „Ehe für alle“ ablehne. Zugleich respektiere man die Souveränität des Staates, über die rechtliche Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partner „in der Gewissensbindung der Abgeordneten“ zu entscheiden. Bereits vor der Abstimmung hatten sich von evangelikaler Seite die Deutsche Evangelische Allianz, die Konferenz Bekennender Gemeinschaften in den evangelischen Kirchen Deutschlands und die ChristusBewegung „Lebendige Gemeinde“ (Korntal) gegen die Öffnung der Ehe gewandt. In einer Stellungnahme der Allianz hieß es, dass man „am Eheverständnis von Mann und Frau und Familie“ festhalte. Der Stellungnahme hat sich der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland (Baptisten und Brüdergemeinden) angeschlossen. Der Präsident der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF), Christoph Stiba (Wustermark/Brandenburg), stellte sich ebenfalls hinter die Erklärung. Es sei konsequent, „bei einer solch weitreichenden ethischen Fragestellung“ den Fraktionszwang aufzuheben und die Entscheidung dem Gewissen der Abgeordneten zu überlassen. Dass das Thema so „überstürzt“ auf die Tagesordnung des Bundestags gekommen sei, bedauerte Stiba: „Ein Thema, das unser Grundgesetz berührt, darf nicht wahltaktischen Überlegungen untergeordnet werden.“

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SELK-Bischof: Die Wahrheit kann durch kein Gesetz abgeschafft werden

Kritik kam auch vom Bischof der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), Hans-Jörg Voigt (Hannover). Durch die „Ehe für alle“ werde Ungleiches gleichgemacht. Er zitierte den Monatsspruch der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apostelgeschichte 5,29). Der Vers habe nun eine Bedeutung bekommen, „von der wir noch vor einer Woche nichts ahnten“. Auch Mehrheiten könnten irren: „So wird die sehr einfache Wahrheit, dass bis zum Ende der Zeit ein Mann und eine Frau zusammenkommen und ein Kind zeugen … durch kein Gesetz der Welt abzuschaffen sein.“ Laut dem Arbeitskreis Bekennender Christen in Bayern muss die Kirche deutlich machen, dass sich die neue Ehedefinition weiter vom jüdisch-christlichen Verständnis entfernt. Der Vorsitzende, Dekan Till Roth (Lohr am Main), sagte, man bedaure gemeinsam mit den katholischen Bischöfen, dass mit der Neuregelung „die christliche Auffassung von Ehe und das staatliche Konzept weiter auseinandergehen“.

Erzbischof Koch: Das hat die Ehe nicht verdient

Der Vorsitzende der Kommission für Ehe und Familie der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Heiner Koch (Berlin), bedauerte die Entscheidung des Bundestags. Es seien wesentliche Inhalte des Ehebegriffs aufgegeben worden, „um ihn für gleichgeschlechtliche Partnerschaften passend zu machen“. „Bedenkenswert“ sei, dass viele, die die Ehe lange als „lebensfeindlich und als Auslaufmodell“ bekämpften hätten, „nun zu glühenden Verfechtern der ,Ehe für alle’ wurden“. Es stimme nachdenklich, wie grundlegende Überzeugungen im Eheverständnis mit dem Hinweis auf notwendige Flexibilität, veränderte Zeiten und populäre Stimmungen aufgegeben worden seien: „Es ist traurig, dass das Rechtsinstitut Ehe in das Räderwerk politischen Taktierens geraten ist. Das hat die Ehe nicht verdient.“

Rat der EKD begrüßt die Öffnung der Ehe

Die Leitung der EKD – der Rat – hingegen hatte die geplante Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Partnerschaften bereits im Vorfeld der Abstimmung begrüßt. Die Bedeutung der Ehe zwischen Mann und Frau werde dadurch „keineswegs geschmälert. Im Gegenteil – sie wird noch einmal unterstrichen“, hieß es in einer Stellungnahme. Zum Rat der EKD gehören 15 Mitglieder. Vorsitzender ist Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München). Ebenfalls Ratsmitglied ist der Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, Michael Diener (Kassel). Gegenüber idea äußerte sich Diener nicht, ob er das Pro-Ehe-für-alle-Votum mitgetragen oder abgelehnt habe, das sein Verband selbst nicht mitträgt. Dagegen sagte das EKD-Ratsmitglied Thomas Rachel – er ist Vorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU und Parlamentarischer Staatssekretär – gegenüber idea zur Stellungnahme des EKD-Rates: „Ich habe bei diesem Thema eine andere Auffassung vertreten.“ Bedford-Strohm schrieb nach der Abstimmung auf seiner Facebookseite, er wünsche sich, „dass jetzt weder Triumphgefühle auf der einen Seite noch Bitterkeit auf der anderen Seite den Ton angeben. Sondern ein neues Bewusstsein für das wunderbare Angebot der Ehe, in lebenslanger Treue und Verbindlichkeit miteinander leben zu dürfen.“

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