Kauder: Ich werde nie für die Öffnung der Ehe stimmen

idea-Interview
01. Juli 2017

Kauder: Ich werde nie für die Öffnung der Ehe stimmen

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder. Foto: Laurence Chaperon

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder. Foto: Laurence Chaperon

Der Deutsche Bundestag hat am 30. Juni die Ehe für gleichgeschlechtliche Partnerschaften geöffnet. Möglich wurde es, weil Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einer Gesprächsrunde eine „Gewissensentscheidung“ ins Spiel brachte. Dazu ein Interview von idea-Redaktionsleiterin Daniela Städter mit dem Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder.

idea: Viele bibeltreue Christen in Deutschland sind enttäuscht, dass Bundeskanzlerin Merkel – und damit die Union – den Weg für die „Ehe für alle“ geöffnet hat. Haben konservative Christen noch eine Heimat in der CDU?

Kauder: CDU und CSU räumen den christlichen Werten nach wie vor eine so hohe Bedeutung ein wie keine andere Partei. In der Bundestagsfraktion beschäftigen wir uns ständig mit dem Thema, es gibt christlich geprägte Arbeitskreise und wir haben zuletzt wieder eine Broschüre mit dem Titel „Kompass C“ aufgelegt, wo die Bedeutung des christlichen Menschenbilds für die Politik in zahlreichen Beiträgen genau beleuchtet wird.

CDU und CSU sind Volksparteien. Dessen muss man sich bewusst sein. In ihnen sind Angehörige aller christlichen Kirchen und ihrer Bewegungen vertreten. Wie auch in den Kirchen gab es bei uns seit langem unterschiedliche Meinungen zur Öffnung der Ehe.

Meine Haltung ist bekannt und ich habe sie auch im Bundestag noch einmal ganz deutlich gemacht. Ich werde auch künftig nie für die Öffnung der Ehe stimmen, weil die Ehe für mich die Beziehung von Mann und Frau ist. Das sieht die Mehrheit meiner Fraktion genauso. Auch das ist am vergangenen Freitag im Bundestag deutlich geworden. Es gibt aber eine beachtliche Minderheit in unserer Fraktion, die das anders sieht. Und man kann dieser Minderheit nicht unterstellen, dass sie sich völlig von den christlichen Werten entfernt, wenn zum Beispiel die EKD die Öffnung der Ehe im wahrsten Sinne des Wortes ihren Segen gibt. Deshalb war es richtig, die Frage als Gewissensentscheidung einzustufen. Es gab dazu schon länger Überlegungen. Die SPD hat aber der Debatte durch ihre Manöver die Würde genommen.

„Niemand nimmt das ,C‘ so ernst wie wir“

Ich kann damit auch nur sagen, dass man in einer Demokratie für seine Ziele kämpfen muss. In der Frage der Öffnung der Ehe habe ich mich nicht mehr durchsetzen können. Das Verbot der organisierten Sterbehilfe haben wir aber in dieser Wahlperiode verabschiedet. Ohne die Mehrheit in der Union gäbe es die organisierte Sterbehilfe wahrscheinlich heute in Deutschland. Wir kämpfen für den Erhalt christlicher Symbole im öffentlichen Raum. Denken Sie nur an die unsägliche Debatte über das Kreuz auf dem neuen Berliner Stadtschloss. Und keine Fraktion setzt sich so für verfolgte Christen in aller Welt ein wie wir. Wir haben auf Thema überhaupt auf die politische Tagesordnung gesetzt. Nein, niemand nimmt das „C“ so ernst wie wir.

Schade, dass die EKD die besondere Bedeutung der Ehe nicht mehr sehen will

idea: Der Rat der EKD hat – im Gegensatz zur katholischen Kirche – in seiner Stellungnahme die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Partnerschaften begrüßt. Wie bewerten Sie die Haltung Ihrer eigenen Kirche?

Kauder: Ich kann diese Ansicht nicht teilen. Sie entspricht nicht meinem Verständnis der Bibel. Ich finde es schade, dass die EKD die besondere Bedeutung der Ehe von Mann und Frau, für deren Betonung es auch heute sehr viele gute Gründe gibt, nicht mehr sehen will. Diese Haltung ist mir zu beliebig. Natürlich muss ich den Wandel in der Haltung der Gesellschaft wahrnehmen. Wir sollten aber sorgsamer mit Wertentscheidungen umgehen – mit Aussagen und Wertentscheidungen der Bibel, aber auch des Grundgesetzes. Auch verfassungsrechtlich wird bei der Auslegung des Begriffs der Ehe vom Bundesjustizminister völlig abwegig argumentiert. Ich bin mir sicher, dass das Bundesverfassungsgericht darüber noch urteilen wird.

idea: Kritiker der „Ehe für alle“ warnen, dass bei einer Aufweichung des Ehebegriffs auch Forderungen wie die nach Legalisierung von Inzest oder Polygamie (Vielehe) ausgelöst werden könnten. Können Sie ihnen die Angst nehmen?

Kauder: Die Gefahr sehe ich nun wirklich nicht. Als Union, und da denke ich, sind wir uns alle völlig einig, werden wir das niemals mittragen.

idea: Vielen Dank für das Gespräch!

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