Missbrauchsskandal in Korntal

Neue Unruhe wegen Altpeters Rückzug

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Wie geht es nach dem Rückzug der ehemaligen Ministerin Katrin Altpeter weiter? Im Missbrauchsskandal bei der Brüdergemeinde ringt die Projektgruppe um die Aufarbeitung.

In Korntal herrscht weiter Unruhe. Foto: Pascal Thiel

In Korntal herrscht weiter Unruhe.Foto: Pascal Thiel

Korntal-Münchingen – Wer wird im Rahmen der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals als nächstes verschlissen? „Sie haben Ulrich Weber an die Wand gefahren, nun Katrin Altpeter“, poltert der ehemalige Korntaler Heimbewohner Detlev Zander in Richtung der Projektgruppe. Diese gestaltet die Aufarbeitung mit. Er, Zander, glaube nicht, dass sich in der Konstellation noch irgendjemand dieser Aufgabe widmen wolle.

 

Zander hat sich in seiner Verärgerung am Donnerstag schriftlich an den württembergischen Landesbischof Otfried July gewandt. In der Mail heißt es: „Werden Sie endlich aktiv, unterstützen Sie uns, Sie können sich nicht einfach herausreden, und die alleinige Verantwortung der Brüdergemeinde Korntal überlassen.“ Von der Landeskirche war am Donnerstag keine Stellungnahme zu erhalten.

Zander reagiert damit auf die jüngste Entwicklung des Aufarbeitungsprozesses. Die ehemalige baden-württembergische Arbeits- und Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) hatte jetzt erklärt, doch nicht an der Aufarbeitung der Fälle von Gewalt zwischen 1950 und 1970 in den Kinderheimen der Brüdergemeinde mitzuarbeiten. Begründet hat die Sozialdemokratin dies mit der mangelnden Transparenz des Aufarbeitungsprozesses. Zander hatte die Fälle 2014 publik gemacht.

 

Altpeter war ein Wunschkandidat einiger Betroffener in der Vergabekommission gewesen. Diese soll über die Geldbeträge entscheiden, welche die Brüdergemeinde zur Anerkennung des Leids bezahlt. Doch mit ihr haben die Betroffenen bereits ihren zweiten Wunschkandidaten verloren. Im Februar hat bereits der Rechtsanwalt Ulrich Weber hingeschmissen. Medien hatten zuvor über seine Verstrickung in eine Korruptionsaffäre spekuliert. An der Sache war, wie sich später herausstellte, nichts dran. Doch die Projektgruppe, die die Aufarbeitung mitgestaltet, erbat sich eine vierwöchige Bedenkzeit – gegen den Mehrheitswillen der Opfer. Daraufhin zog Weber, der als Aufklärer bei den Regensburger Domspatzen bundesweit bekannt geworden ist, sich zurück. Er hatte stets erklärt, sich nichts vorzuwerfen zu haben.

In der Projektgruppe sitzen Vertreter der Opfer sowie der Brüdergemeinde. Sie gestalten die Aufarbeitung und die Vergabekommission mit. Die Projektgruppe trifft sich am Dienstag, um den Fortgang zu beraten. Dabei wird es nicht nur um die Gründe für Altpeters Rückzug gehen, sondern im Zweifel um einen Ersatz. Gesprochen wird wohl auch über den weiteren Verlauf der Aufarbeitung. Einigen Betroffenen dauert der Prozess inzwischen zu lange. Das erhöht den Druck auf jene, die auf eine umfassende Aufarbeitung setzen. Sie sind etwas vorsichtig geworden. Zander ficht das nicht an: „Ich habe keine Angst.“