Opfer der Brüdergemeinde Aufklärer bestätigen schweren sexuellen Missbrauch und Gewalt an Kindern in Korntal

Im Missbrauchsskandal von Korntal bestätigen erste Untersuchungsergebnisse die Vorwürfe von Opfern: Danach hat es in den Kinderheimen der Evangelischen Brüdergemeinde jahrelang ein System der Gewalt gegeben.

Anderthalb Monate nach dem Start der Aufklärung von Missbrauchsfällen in Kinderheimen der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal haben die beiden unabhängigen Aufklärer, die ehemalige Richterin Dr. Brigitte Baums-Stammberger und der Erziehungswissenschaftler Prof. Benno Hafeneger (Philipps-Universität Marburg), in REPORT MAINZ exklusiv erste Ergebnisse ihrer Untersuchung präsentiert.

Kinderheim der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal

Danach haben Kinder in den Kinderheimen der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal von den 1950er Jahren bis in die 1980er Jahre systematisch körperliche, psychische und sexuelle Gewalt erleiden müssen. Die Heimleitung habe nachweislich von Vorfällen sexuellen Missbrauchs gewusst, diese jedoch vertuscht. Exklusive Recherchen von REPORT MAINZ zeigen zudem, dass es sogar noch Anfang der 2000er Jahre Missbrauchsfälle in einem Kinderheim der Evangelischen Brüdergemeinde in Korntal gab.

2003 verurteilte das Landgericht Stuttgart einen Erzieher wegen sexuellen Missbrauchs in einer Vielzahl von Fällen. Ehemalige Heimkinder berichten in REPORT MAINZ, dass sie nicht nur im Kinderheim missbraucht worden seien, sondern auch im Rahmen von so genannten Patenschaften zeitweise an Einzelpersonen und Paare vermittelt wurden. In den Privathäusern sei es zu schweren sexuellen Übergriffen gekommen, bis hin zur Vergewaltigung.

Recherchen von REPORT MAINZ in bisher nicht ausgewerteten Aktenbeständen zeigen, dass Paten damals sogar gezielt Wünsche für bestimmte Kinder äußerten. In einem Brief fragte ein Mann, ob ihm das Kinderheim „gelegentlich ein kleines Mädchen“ vermitteln könne, das „zwischen 5 und 10“ Jahre alt sein sollte. Die Aufklärer wollen dieser Spur nachgehen und klären, ob es gar ein „pädophiles Netzwerk“ gab, wie manche Opfer behaupten.

Der Verantwortliche der Brüdergemeinde, der weltliche Vorsteher Klaus Andersen, streitet im Interview nicht ab, dass es einzelne Vorfälle körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt gab: „Das bedauern wir sehr. Und ich weiß, dass damals auch die Mitarbeiter, trotz alledem, mit viel Herzblut und Engagement ihre Arbeit getan haben. Dass diese Dinge in Einzelfällen passiert sind, das tut uns leid.“ Zum möglichen Missbrauch in Patenschaften befragt, sagte er: „Schwere Vorwürfe, ich kann‘s nur wiederholen. Und auch da hoffe ich, dass die Aufklärer uns aufzeigen, was damals tatsächlich passiert ist.“

SWR Aktuell BadenWürttemberg zu dem Missbrauchsskandal

Aufklärung hat erst begonnen

Dauer2:35 minQuelleSWR 2017

2:35 min | 30.5.2017 | 22.00 Uhr | Das Erste

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Aufklärung hat erst begonnen

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Stand: 1.6.2017, 16.07 Uhr

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