Wie viel ist der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal ein Menschenleben wert? Anerkennungsleistungen durch die Evangelische Brüdergemeinde Korntal 

 

Detlev Zander Bild Quelle Netzwerk Betroffenenforum e.V.

 

Wie viel ist der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal ein Menschenleben wert?

Anerkennungsleistungen durch die Evangelische Brüdergemeinde Korntal 

 Detlev Zander Betroffener von sexualisierter  Gewalt in einem Kinderheim der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal ist zum Anwalt, vieler Opfer geworden. Er hat die Missbrauchssfälle in der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal  2014 öffentlich gemacht, nun kämpft er trotz allen Anfeindungen zum Trotz um Aufklärung. Er ist unermüdlicher Aufklärer. Er ist unbequem und nennt die Dinge beim Namen.

Dies – und nicht die Zahlungsfähigkeit, die Gemeinnützigkeit der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal – muss in den Mittelpunkt der Frage nach einer Anerkennungsleistung von Opfern/ Betroffenen von sexualisierter Gewalt in der Kindheit rücken. Es geht um den Schaden, den die Betroffenen/ Opfer durch den/die Täter erlitten haben Es geht nicht um den Schaden, den die Evangelische Brüdergemeinde Korntal durch ihre Täter/Innen möglicherweise zu erwarten hat.

Vorsteher der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal bei Stuttgart Klaus Andersen

Um die Frage nach einer „gerechten“ finanziellen Anerkennungsleistung  überhaupt beantworten zu können, ist es notwendig, das wahre Ausmaß, den Umfang und die Charakteristik von sexualisierter Gewalt gegen uns damaligen Kinder ebenso wahrzunehmen, wie die Auswirkungen dieser Erlebnisse auf die Betroffenen / Opfer. Bis heute verstecken sich gerade die Folgen sexualisierter Gewalt häufig hinter vielfältigen psychischen und somatischen „Diagnosen“, weil Jahrelang  überhaupt niemand die Frage stellte, ob es zuvor Erfahrungen von sexualisierter Gewalt in der Kindheit gab.

Zum Ausmaß, Umfang und Charakteristik der Taten ist zu sagen, dass diese bei Weitem das übersteigen, was sich die Verantwortlichen der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal, und ihre Gemeindemitglieder, Sponsoren, und Unterstützer darunter vorstellen können. Man muss sich einfach bewusst sein, dass diese Straftaten in der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal  gegen uns Kinder kollektiv verdrängt wurden und noch immer werden, so dass das öffentliche Bild von sexualisierter Gewalt an Kindern vor allem unter einer starken Verzerrung leidet.

„Typisch“ für sexualisierte Gewalt gegen uns damaligen Kinder der evangelischen Brüdergemeinde Korntal  war, dass wir Kinder häufig bereits im Säuglings- und Kleinkindalter bzw. Grundschulalter Opfer wurden. „Typisch“ an sexualisierter Gewalt gegen  uns Kinder war auch, dass es sich in den seltensten Fällen um einmalige Übergriffe handelt. In der Regel waren  es regelmäßig wiederkehrende, jahrelang anhaltende, unausweichliche, massiv ängstigende Erlebnisse für uns Kinder. „Typisch“ an der sexualisierten Gewalt gegen uns Kinder ist außerdem, dass die TäterInnen in der Evangelischen Brüdergemeinde fast immer Vertrauenspersonen waren.

Sexualisierte Gewalt durch die Erwachsenen an uns war  u.a.: scheinbar „zufällige“ Berührungen  in der Absicht der Befriedigung eigener sexueller aber auch nicht-sexueller Bedürfnisse; absichtliche Berührungen an uns zur Befriedigung eigener sexueller und nichtsexueller Bedürfnisse; Herbeiführung von Situationen, in denen solcherart Zugriff auf uns  möglich war ; Zurschaustellung der eigenen Geschlechtsorgane oder Aufforderung an uns, die eigenen Geschlechtsorgane zu zeigen und/oder diese (sowohl der TäterInnen  wie des Kindes) zu berühren; Masturbation vor uns und/oder Aufforderung an uns, dies zu tun (sowohl beim den TäterInnen  als auch bei sich selbst); fotografieren solcherart Handlungen; Streicheln, Küssen, „Pflegen“ des Körpers in der Badewanne /der Genitalien an uns, in der Absicht der Befriedigung eigener sexueller und nicht-sexueller Bedürfnisse; Penetration der Genitalien an uns, mit Fingern, Gegenständen, wie Schraubenzieher , Fieberthermometer, Ölkännchen  etc.; Vergewaltigungen der Kleinkinder, Grundschulkinder, Jugendlichen.

Alle diese Erlebnisse gehören nicht zur normalen kindlichen Entwicklung. Sie stellen eine massive Überforderung der neuronalen, kognitiven, psychischen und physischen Konstitution des Kindes dar. Das kindliche Opfer wird durch diese massive Überforderung extremem Stress, extremer Angst und extremer Ohnmacht ausgesetzt. Es erlebt, dass Vertrauenspersonen gefährlich sind, und kann sich aufgrund der Zugriffsmacht der TäterInnen nirgends mehr sicher fühlen. Das „Geheimnis“, das uns die   TäterInnen aufgezwungen haben, hat uns, verwirrt, beschämt und isoliert. Der Verrat und die Gewalterfahrung durch eine Vertrauensperson bedeuteten für uns kindliche Opfer den absoluten Verlust von Sicherheit und untergraben des Vertrauens in andere Menschen und eine „normale“ Werte- und Weltordnung.

Sexualisierte Gewalt traumatisiert lebenslänglich

Sexualisierte Gewalt heißt deshalb sexualisierte Gewalt, weil diese Übergriffe immer unter Ausnutzung des Machtgefälles und der Abhängigkeitssituation zwischen einem Erwachsenen und einem Kind vollzogen werden. Das Gewaltsame ist die Ausnutzung des Machtgefälles und der Abhängigkeitssituation durch den Erwachsenen. Missbraucht der Erwachsene seine

Macht und die Abhängigkeit des Kindes mittels sexueller Handlungen, Worte, etc., um sowohl sexuelle wie nicht-sexuelle Bedürfnisse zu befriedigen, so sexualisiert er diese Gewalt.

Es ist  bekannt, dass über längeren Zeitraum erfahrene, regelmäßig wiederkehrende, unausweichliche Gewalterlebnisse massive Folgen für uns Betroffenen haben. Wir, die wir  über längere Zeit in  für uns unausweichlichen, unterlegenen, häufig als lebensbedrohlich erlebten Situationen befanden in denen wir extremen Stress, extreme Angst und extreme Ohnmachtsgefühle in der evangelischen Brüdergemeinde Korntal erleben mussten reagieren oft mit Wutausbrüchen, verlieren jegliches Vertrauen in Personen, auch die es oft sehr gut mit  uns meinen. Teilweise zerstören Betroffene / Opfer aus der evangelischen Brüdergemeinde Korntal  ihren eigenen Körper um sich besser zu spüren. Unsere unreife kindliche Psyche hatten  diesen Erfahrungen in der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal  so gut wie nichts entgegenzusetzen. Daher kann davon ausgegangen werden, dass die neuronalen, kognitiven, psychischen und physischen Folgen von jahrelangen traumatisierenden Erlebnissen an uns damaligen Kindern weitaus gravierender sind als  sich die Verantwortlichen der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal jemals vorstellen können.

Dies ist bei kindlichen Traumaopfern aufgrund ihres Alters und der kollektiven Verleugnung von sexualisierter Gewalt gegen Kinder nicht der Fall: Ihre auffälligen Verhaltensweisen und körperlichen Symptome werden nicht als Wesensveränderung nach bzw. Folge von schwerer Traumatisierung erkannt, sondern als wesensimmanent bzw. individuelle Störung des Kindes missinterpretiert.

Wir haben vielerlei Signale, gesendet die auf ihr Leid aufmerksam machen sollten. Nur konnte oder wollte  sie niemand in der evangelischen Brüdergemeinde Korntal verstehen. Aufgrund der kollektiven Verdrängung der sexualisierten Gewalt gegen uns Kinder werden bei Betroffenen vielerlei körperliche und seelische Diagnosen erstellt, die alle eines gemeinsam haben: Sie blenden das Trauma aus.

Daher blieben wir die kindlichen  Opfer sexualisierter Gewalt mit unserem schrecklichen Leid alleine. Mit unseren unausgereiften neuronalen, kognitiven, psychischen und physischen Möglichkeiten versuchten wir, irgendwie dennoch zu überleben. Neben den tatsächlichen meist jahrelangen Gewalterlebnissen bedeutet dieses Alleingelassen- und Auf-sich-selbstgestellt-Sein eine weitere extreme Überforderung und somit extremer Stress für uns.

Eigentlich bräuchte es in seinem unausgereiften Zustand Förderung, Unterstützung, vertrauensvolle Nähe, Zuwendung, etc., um sich all die Fähigkeiten aneignen zu können, die es für eine erfolgreiche Bewältigung des Lebens benötigt. Dieses „Grundhandwerkszeug“ zum Erwachsenwerden und Erwachsensein wurde uns  von der evangelischen Brüdergemeinde Korntal  verweigert. Mickrige Anerkennungsleistungen durch die Brüdergemeinde Korntal in Höhe von bis zu 5.000 € verhöhnen und Betroffene / Opfer.

 

Manche Opfer der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal  kamen  dem extremen Stress ihrer Kindheit nicht zurecht und begangen Suizid. Selten wird erlebte sexualisierte Gewalt als Motiv in Betracht gezogen. Andere überleben zwar scheinbar, betäuben sich aber mit Drogen, Alkohol oder anderen Betäubungsmöglichkeiten (exzessives Verhalten beispielsweise im Sport, bei der Arbeit, etc.). Wieder andere Betroffene / Opfer der Wvangelischen Brüdergemeinde Korntal  begehen Suizid auf Raten, indem sie magersüchtig werden, sich ritzen. Gerade in diesem selbstschädigenden Verhalten versteckt sich viel Selbstverachtung (die daher rührt, dass das Selbst dafür gehasst wird, dass ihm diese Übergriffe zugestoßen sind und es dabei unterlegen ist). Die meisten Betroffenen / Opfer der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal können niemals mehr einer anderen Person wirklich vertrauen und sie haben daher häufig Probleme mit anderen Menschen und mit Beziehungen. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf (nicht) mögliche Lebenspartnerschaften, sondern auch auf den Beruf.

Je älter Betroffene werden, desto deutlicher zeigt sich die Tatsache des „mangelhaften Grundwerkzeugs“ aus der traumatischen, alleingelassenen Kindheit. Die extreme Überforderung und der extreme Stress, dem Betroffene mit der Bewältigung ihrer hoffnungslosen, bedrohlichen und isolierten Lebenssituation bereits als Kinder ausgesetzt sind, setzen sich auch im Erwachsenenleben fort. Denn noch immer werden ihre traumatischen Erlebnisse verdrängt, oft von ihm/ihr selbst, immer vom Kollektiv. Noch immer tobt in ihr/ihm der Überlebenskampf, leidet sie/er unter den Folgen der Gewalterlebnisse seiner/ihrer Kindheit, ohne dass die Auswirkungen auf ihre/seine Persönlichkeit und ihr/sein Leben zur Kenntnis genommen bzw. als Traumafolgen anerkannt werden.

Die kollektive Verdrängung der sexualisierten Gewalt an uns damaligen Kindern  bewirkt, dass erwachsene Betroffene weiter schweigen (um beispielsweise nicht erneut stigmatisiert und beschämt zu werden) und dass ihre zahlreichen körperlichen und seelischen Probleme nicht als Traumafolgen anerkannt werden. Sie erhalten zwar Diagnosen wie Depression, Angststörung, Essstörung, sie werden aufgrund der langjährigen Überforderung körperlich chronisch krank, aber niemand bringt dies mit der jahrelang erlebten sexualisierten Gewalt in Verbindung. Manche scheitern schon früh im Berufsleben, weil sie zusätzlich zu ihrem täglichen inneren Überlebenskampf keinen weiteren Stress ertragen können. Nicht wenige landen aufgrund der traumatisierenden Kindheitserlebnisse und dem Alleingelassen sein in den sozialen Hilfesystemen, wofür sie sich oft – weil niemand nach den wahren Ursachen forscht – erneut beschämen und stigmatisieren lassen müssen. Das traumatische Gift der Kindheit an uns durch die evangelische Brüdergemeinde Korntal  setzt sich ins Erwachsenenleben fort – egal, wie sehr sich die Betroffenen daraus zu lösen versuchen.

Wie viel ist ein Menschenleben wert? Im Grunde – und so argumentieren auch viele Betroffene – ist ein Menschenleben überhaupt nicht bezahlbar. Niemand kann in Euro und Cent definieren, was ein Menschenleben wert ist. Und keine Summe der Welt könnte diese massiven Zerstörungen und diese totale Verweigerung dessen, worauf wir Betroffenen alles Recht der Welt hat, wieder gut machen.

Wer aber mit diesen Argumenten finanzielle Anerkennungsleistungen   verweigert, handelt blasphemisch, das heißt, er verhöhnt die Betroffenen und verleugnet die Beschädigung eines ganzen Menschenlebens. Wer angesichts der lebensumfassenden Folgen häufig – wie bei Kriegsteilnehmern, KZ-Überlebenden, usw. bekannt  Summen vorschlägt, die der Dimension des Leids konträr gegenüberstehen, ebenso.

Es kann nach all den traumatischen Erfahrungen, die wir Betroffene bereits als Kind erfahren und durchleben mussten, nach all den daraus folgenden Konsequenzen für das gesamte weitere Leben der Betroffenen (und eventuell ihrer Angehörigen und Kinder) nicht sein, dass der Zahlungswille und/oder die Zahlungsfähigkeit der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal zum Maßstab für uns Betroffenen gemacht wird. Anerkennung stellt die Würde, Wertschätzung der Betroffene wieder her.

Betroffene, die jahrelange sexualisierte Gewalt in der Kindheit überlebt haben, sind Betroffene von schweren Menschenrechtsverletzungen, die in der überwiegenden Zahl der Fälle ungesühnt bleiben. Dass die Brüdergemeinde Korntal, die sich „aufgeklärt“ und „modern“ nennt und an sich selbst hohe christliche Maßstäbe setzt, nicht in der Lage ist, den massiven und jahrelangen Rechtsbruch an unschuldigen Kindern die ihnen vom Staat und Eltern anvertrauten Kinder wurden zu sühnen, ist eigentlich unfassbar. Für Betroffene stellen diese fehlende Gerechtigkeit und der erkennbar mangelnde Wille, der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal Prinzipien nachzukommen, eine schwere seelische Hürde dar.

Wir Betroffene mussten bereits als Kind erleben, dass wir in der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal, und der Stadt Korntal massiven Gefahren ausgesetzt waren, Unrecht erleiden müssen und vor Machtmissbrauch nicht geschützt waren. Solange die evangelische Brüdergemeinde Korntal sich weigert, die Rechtsordnung her-, bzw. wiederherzustellen, verhindert sie die Integration der Betroffenen von sexualisierter Gewalt in in die Gesellschaft, und trägt somit weiterhin zu deren Ausgrenzung, Isolation und Leid bei.

Wenn die Evangelische Brüdergemeinde Korntal tatsächlich eine christliche, und nicht nur vom finanziellen Profit getragene Gemeinde  sein soll, dann muss sie dafür Sorge tragen, dass die schweren und zumeist lebenslänglichen Folgen von sexualisierter Gewalt in der Kindheit als solche anerkannt werden. Sie muss dafür Sorge tragen, dass die Betroffenen nicht weiterhin schwer an diesen Folgen zu tragen haben, wenn sie schon die Gewalterfahrungen an sich nicht mehr auslöschen kann.

Dies meint übrigens mehr als Psychotherapie, zumal bis heute sehr wenige Therapieverfahren im Falle solch komplexer und langanhaltender Gewalterfahrungen wirklich als nachhaltig erfolgversprechend verifiziert werden konnten. Viel zu lange hat auch die Psychologie das Thema sexualisierte Gewalt an Kindern verdrängt, verleugnet und missachtet, so dass erst heute langsam erste Erfahrungen mit therapeutischen Verfahren gemacht werden, deren Nachhaltigkeit noch abzuwarten bleibt.

Nein, dies meint ganz konkret auch finanzielle Unterstützung: Es müssen Einkommenseinbußen durch frühe Erwerbsunfähigkeit bzw. bereits verminderte Erwerbsfähigkeit von Anfang an (mit entsprechenden Konsequenzen auf mögliche Rentenleistungen) ausgeglichen werden. Es müssen vermehrte Kosten für chronische

Erkrankungen und/oder zusätzlich aufgrund der Folgen erforderliche Hilfs- oder Dienstleistungen ausgeglichen werden. Verantwortung zu übernehmen bedeutet nämlich auch, dass die Kosten für die Folgen nicht weiterhin (wie bisher) klammheimlich den

öffentlichen Sozialsystemen (Krankenversicherung, Rentenversicherung, Sozialhilfe, Arbeitslosenhilfe) untergeschoben werden dürfen. Wieso sollen alle Steuerzahler/innen, bzw. alle Versicherungsmitglieder für die Straftaten der Brüdergemeinde Korntal aufkommen?

Und es muss in irgendeine – auch finanzieller – Form von der Brüdergemeinde Korntalein deutliches Signal an die Betroffenen gesendet werden, dass ihr Leid und die lebenslänglichen Folgen ihrer traumatischen Kindheit gesehen und anerkannt werden. Es braucht – auch in finanzieller – Form ein deutliches Signal der Gesellschaft/des Rechtsstaats, dass anerkannt wird, dass jahrelange kollektive Verleugnung von sexualisierter Gewalt gegen Kinder und jahrelange staatliche/gesellschaftliche Untätigkeit bzw. Hilfeunterlassung zur Schwere des Leids der Betroffenen beigetragen haben. Die Brüdergemeinde Korntal hat gegenüber den betroffenen Kindern, bzw. heute erwachsenen Betroffenen schwer versagt und diesem Versagen muss heute ein Zeichen der Reue und der Wiedergutmachung folgen.

Selbstverständlich entlässt dies nicht die wahren noch lebenden TäterInnen aus ihrer – auch finanziellen – Verantwortung. Aber aufgrund der derzeit geltenden Verjährungsfristen können sich die meisten Täter dieser Verantwortung entziehen. Die meisten von ihnen sehen zudem – teilweise im guten Gefühl der gemeinschaftlichen Solidarität – überhaupt keine Veranlassung, Verantwortung zu empfinden bzw. zu übernehmen. Bislang hat sich niemand daran gestört, dass sie die Kosten für ihre egoistischen Gewaltangriffe auf Schwächere der ganzen Gesellschaft aufgehalst haben. Und bis heute stört sich niemand daran, dass beispielsweise die katholische Kirche nach den bekannt gewordenen Sexualstraftaten gegen Kinder in ihren Reihen zur „Entschädigung“ angeboten hat, finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen, sofern die von den Krankenkassen bezahlte Therapie nicht ausreicht. Hier werden Straftaten sozialisiert und die Gesellschaft, der Rechtsstaat schaut dabei zu.

Wie viel ist ein Menschenleben wert? Vielleicht ist die Frage falsch gestellt. Denn eigentlich müsste sie lauten: Wie viel ist es der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal wert, ihre rechtsstaatliche Ordnung sicherzustellen, bzw. wiederherzustellen? Das heißt:Entschädigung der Opfer sexualisierter Gewalt ist kein barmherziges Almosen für ein paar arme Tröpfe. Die Entschädigung der Opfer stellt überhaupt erst wieder eine Rechtsstaatlichkeit her, die von den Tätern seit Jahrzehnten mit Füßen getreten wird und um die sich auch die Gesellschaft/der Rechtsstaat seit Jahrzehnten nicht gekümmert hat.

Solange die Betroffenen der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal geschwiegen haben, musste das von  der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal nicht zur zur Kenntnis genommen werden. Nun schweigen wir  nicht mehr und decken damit etwas auf, was eine ganze Gesellschaft lange verdrängen konnte: Dass unser „Rechtsstaat“ eigentlich eine Farce ist, und dass es Straftaten gibt, mit denen man(n) in der Regel durchkommt, ohne weitere Unannehmlichkeiten fürchten zu müssen. Dass diese Aufdeckung und die Konsequenz daraus der evangelischen Brüdergemeinde Brüdergemeinde Korntal nicht schmecken wird, ist aus ihrer Sicht nachvollziehbar.

Dass sich außer den Betroffenen an dieser Aufdeckung und der Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit unter anderem durch Anerkennungsleistungen- und Unterstützungsleistungen (auch finanzielle) nach wie vor so wenige beteiligen, sagt viel über die Auffassung von Rechtsstaatlichkeit und den tatsächlichen „Wiedergutmachungswillen“ der beteiligten Institutionen, der Gesellschaft und des Staates aus. Die Höhe der bislang angebotenen Anerkennungsleistungen durch die Evangelischen Brüdergemeinde Korntal in Höhe von bis zu 5000 € ist keine Anerkennung des Leides, es ist ein Hohn, für alle Opfer, und ein erneuter Schlag ins Gesicht!

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